Interview mit Felix Bühlmann

Inhaber und Geschäftsführer, Sprinter Logistik GmbH

Sprinter Logistik GmbH

• Unternehmensgründung: 2003

• Unternehmenssitz: Muri (Schweiz)

• Standorte: Unternehmenszentrale + zwei Fahrzeugstandorte (Suhr, Hettlingen)

• Fuhrpark: 45 Fahrzeuge, davon 30 Lkw und 15 Liefer- und Montagewagen der Sprinter-Klasse

• Mitarbeiter: 50

• Schwerpunkte des Geschäfts: klassische Logistik, Lebensmittel-/Kühltransporte, Lieferung inklusive Montageservice, weltweite Transportservices

www.sprinterlogistik.ch


Deutschland nimmt weltweit eine Spitzenposition in der Logistik ein. Bei dem wichtigen Zukunftstrend „Digitalisierung“ hingegen hinke der Branchenprimus hinterher, so die Meinung von Experten. Wie ist Ihrer Meinung nach die Situation in der Schweiz – können Sie diesen Eindruck bestätigen?
Diesen Trend kann ich bestätigen. Auch in der Schweiz gibt es in Sachen Digitalisierung in der Logistik meines Erachtens noch viel Entwicklungsbedarf.

Für wie bedeutsam halten Sie das Thema „Digitalisierung im Transportwesen“ heute? Wie bedeutsam wird es in zehn Jahren sein?
Digitalisierung ist ein wichtiges Thema. Transportunternehmen können sich dieser Entwicklung nicht verschließen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. Schwierig ist es, für einen Zeitraum von zehn Jahren eine Prognose zu treffen, dazu ist der Bereich einfach zu schnelllebig. Für mich steht aber fest, dass viele Bereiche in unserer Branche immer stärker vernetzt und digitalisiert sein werden.

Welche drei Tipps würden Sie Transport-Unternehmen auf dem Weg zur Digitalisierung geben? Welche Fehler sollten vermieden werden?
Transportunternehmen dürfen sich der neuen Technologie nicht verschließen, auch wenn eine Optimierung bestimmter Prozesse nicht nötig erscheint und das Geschäft gerade gut läuft. Dies führt nämlich langfristig zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und zum Stillstand. Bei der Wahl von digitalen Systemen sollte man darauf achten, eine Lösung zu finden, bei der das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Und als dritten Punkt möchte ich die individuelle Adaptierbarkeit nennen. Egal ob Software, App oder Online-Plattform: Jedes Transportunternehmen hat andere Anforderungen, auf die das System angepasst werden sollte.

Welche anderen Branchentrends sind aus Ihrer Sicht zukunftsrelevant für die Transportindustrie?
Ressourcenschonung ist einer der wichtigen Trends, verbunden mit der Suche nach alternativen Antrieben oder alternativen Transportmöglichkeiten. Bei uns in der Schweiz gibt es einen Verein, der plant, Waren zukünftig unterirdisch über ein Röhrensystem zu transportieren. Gerade kürzlich sind ihm Investorengelder in dreistelliger Millionenhöhe zugesagt worden.

Der Transportsektor wird weiter wachsen, auch in Zukunft werden immer mehr Güter transportiert. Gleichzeitig steigt auch der Kostendruck. Unter anderem ist dieser ein Grund für die Konsolidierung von Unternehmen. Gerade in meinem Umfeld in der Schweiz fällt mir auf, dass viele kleinere Mittelständler von Großunternehmen übernommen werden.

Aus Kostengründen und aufgrund des Fahrermangels werden immer mehr ausländische Fahrer und Fahrzeuge eingesetzt. Aus meiner Sicht, ist dies eine sehr negative Entwicklung. Die Fahrer werden äußerst schlecht bezahlt und die Sicherheit der Fahrzeuge ist oft mangelhaft.

Was sind aus Ihrer Sicht die großen Digitalisierungs-Trends in der Transportbranche?
Telematiksysteme und Lösungen zur Überwachung und Verarbeitung von Fahrer- und Fahrzeugdaten sind bereits weit verbreitet. Deshalb sehen wir vor allem einen Bedarf an Plattformen zur Verbesserung der Transportauslastung und zur Vermeidung von Leerfahrten.

Auch die Entwicklung von Lösungen, die mehrere Aufgaben auf einer Plattform zusammenfassen, wird voranschreiten. Heute arbeiten Telematiksysteme, Mauterfassungs- und Tachgrophendatenverabreitung, das Dokumentenmanagement und viele weitere Anwendungen noch weitestgehend separat. Hier ist eine sinnvolle Integration und Vernetzung notwendig, so wie heute schon Smartphones die Verknüpfung verschiedenster Applikationen auf nur einem Gerät ermöglichen.

Welchen Stellenwert hat die Digitalisierung in Ihrem Unternehmen und / oder Fuhrpark? Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen bzw. planen Sie für die nahe Zukunft?
Zum Teil nutzen wir digitale Systeme schon seit längerem, beispielweise zur Überwachung der Temperatur bei Lebensmitteltransporten oder beim Tracking und Dokumentieren von Lieferungen. Hier verwenden wir kundeneigene Lösungen, suchen jedoch derzeit freie Angebote mit ähnlicher Funktionalität für unsere anderen Kunden.

Welche Rolle spielen Logistik-Start-ups aus Ihrer Sicht bei der Digitalisierung der Logistik in der Schweiz im Allgemeinen, und für Ihr Unternehmen im speziellen? Sind Sie eher Helfer oder Konkurrenz der etablierten Unternehmen?
Start-ups können beides sein: Helfer und Konkurrenz, je nach Anwendungsgebiet und Lösung.

Gerade Transportportale spielen zurzeit eine wachsende Rolle. Doch fehlt es mir hier noch zu sehr am Praxisbezug. Die Anbieter sind noch zu stark auf ihr Produkt fokussiert und wollen dieses bestmöglich verkaufen – häufig an den Bedürfnissen der Transportunternehmen vorbei. Zudem muss ich ihre derzeitige Preispolitik kritisieren. Meine Forderung: Logistik-Start-ups müssen sich mit ihren Lösungen der Praxis und dem Kostendruck der Branche anpassen.

Aus meiner Sicht ist hier eine Annäherung notwendig: Offenheit auf Seiten der traditionellen Transportunternehmen und ein besseres Verständnis der täglichen Praxis der Branche durch die Start-ups. Dann wird man profitieren und sich in seiner Arbeit gegenseitig Antrieb geben.

Haben Sie bereits mit einem Logistik-Start-up zusammengearbeitet? Wenn ja, in welchem Kontext und welchen Erfolgen? Planen Sie eine Zusammenarbeit in der nahen Zukunft?
Wir probieren derzeit ein Transportportal aus. Dies erscheint uns allerdings noch nicht so praktikabel. Die Probleme habe ich bei der vorherigen Frage geschildert.

Wie sieht eine digitalisierte Logistik in zwei, fünf und zehn Jahren aus? Wie wird dann das Verhältnis zwischen etablierten Unternehmen und Logistik-Start-ups sein?
Digitalisierung ist ein Trend, dem man sich nicht verschließen kann. Wie das Ganze in den genannten Zeiträumen aussehen wird, lässt sich meines Erachtens schwerlich nach Zeiträumen aufschlüsseln. Tendenziell sehe ich jedoch in den nächsten Jahren eine Konsoldierung, ein Zusammenarbeiten der etablierten Unternehmen mit den Start-ups entweder in Form von Kooperationen oder durch Übernahmen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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