Interview mit Andreas Normann

geschäftsführender Gesellschafter, Matthias Normann Spedition GmbH & Co KG, Bendorf, Deutschland

Spedition Normann

• Unternehmensgründung: 1939

• Unternehmenssitz: Bendorf

• Standorte: Bendorf, Wittlich, Fulda, Hamburg

• Fuhrpark (Flottenzusammensetzung+Größe): 36 ziehende Einheiten + 75 gezogene Einheiten (Auflieger + Anhänger)

• Mitarbeiter: 61 Vollzeit- + 14 Teilzeitmitarbeiter/Aushilfen

• Schwerpunkte des Geschäfts: Distributionslogistik (Rohstoff, Reifen, feuerfeste Materialien, Maschinen)

• Homepage:
www.normann-gruppe.de

normann


Deutschland nimmt weltweit eine Spitzenposition in der Logistik ein. Bei dem wichtigen Zukunftstrend „Digitalisierung“ hingegen hinke der Branchenprimus hinterher, so die Meinung von Experten. Mit einem Blick auf die Branche deutschlandweit können Sie diesen Eindruck bestätigen?
Teils teils: Große Konzerne sind in Sachen Digitalisierung schon sehr weit, der Mittelstand und kleine Unternehmen hingegen haben dringenden Nachholbedarf. Die Großkonzerne sind dabei klar im Vorteil. Sie haben ihre eigenen geschlossenen IT-Systeme, zu denen kleinere und mittlere Speditionen keinen Zugang haben. Die Aufgabe für den Mittelstand ist klar: Wir müssen hier nachziehen.
Von der Digitalisierungsindustrie bzw. den Start-ups wünsche ich mir entsprechende Angebote, die das Problem der inkompletten Vernetzung lösen.

Für wie bedeutsam halten Sie das Thema „Digitalisierung im Transportwesen“ heute? Wie bedeutsam wird es in zehn Jahren sein?
Die Digitalisierung im Transportwesen halte ich für ein sehr wichtiges Thema. Dies gilt für alle Branchen. In den nächsten zehn Jahren werden wir in Sachen Digitalisierung einen rasanten Wandel erfahren. Manche Experten gehen davon aus, dass sich in den kommenden drei Jahren mehr verändern wird als in den letzten dreißig Jahren.
Meiner Meinung nach werden wir bald nicht mehr über einzelne Transportmittel sprechen, sondern generell nur noch über Mobilität. Für den Kunden ist es dann irrelevant, ob die Ware mit einem Lkw oder bei kleineren Sendungsgrößen mit einer Drohne geliefert wird. Er gibt nur noch sein Wunschziel und den Liefertermin an.

Welche drei Tipps würden Sie Transport-Unternehmen auf dem Weg zur Digitalisierung geben? Welche Fehler sollten vermieden werden?
Seien Sie mutig und zugleich traditionell! Begegnen Sie den Neuerungen offen, aber vergesst niemals, wo ihr herkommt! Verliert den einzelnen Menschen niemals aus den Augen! Bei all den Veränderungen, die wir durch die Globalisierung in den letzten Jahren erfahren haben, stelle ich heute einen Trend zu mehr persönlicher Betreuung fest. Auch der Mittelstand gewinnt wieder mehr an Bedeutung.

Welche anderen Branchentrends sind aus Ihrer Sicht zukunftsrelevant für die Transportindustrie?
Hier möchte ich zum Beispiel den Trend zu immer stärkerer Vernetzung und den E-Commerce nennen – auch dies sind Digitalthemen.

Ressourcenschonung ist und bleibt ein wichtiger Trend. Bei der Vermeidung von Leerfahrten oder der Bündelung von Lieferungen können digitale Systeme helfen.


Was sind aus Ihrer Sicht die großen Digitalisierungs-Trends in der Transportbranche?
Wir werden künftig kabellos mobil überall erreichbar sein. Dabei gilt es, den Menschen und seine Gesundheit zu schützen.

Welchen Stellenwert hat die Digitalisierung in Ihrem Unternehmen und / oder Fuhrpark? Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen bzw. planen Sie für die nahe Zukunft?
Das Thema ist absolute Chefsache und steht ganz oben auf der Agenda. Wir haben gerade in ein neues Logistiksystem mit Flottenmanagement, Telematik und Tracking-/Tracing investiert. Die Einrichtung und Vernetzung wurde Anfang August abgeschlossen. Ab sofort können wir nicht nur unsere Transporte in Echtzeit verfolgen, sondern Ablieferbelege und beispielsweise Fakturierungen direkt im Anschluss an die Lieferung vornehmen.

Welche Rolle spielen Logistik-Start-ups aus Ihrer Sicht bei der Digitalisierung der Logistik in Deutschland im Allgemeinen, und für Ihr Unternehmen im speziellen? Sind Sie eher Helfer oder Konkurrenz der etablierten Unternehmen?
Sie spielen eine wichtige Rolle, jedoch sollte ihre Mission nicht sein, den Kostendruck weiter zu erhöhen. Vielmehr wünsche ich mir, dass sie die Branche dabei unterstützen, Herausforderungen wie den Fahrermangel oder die Bündelung von Ressourcen und die Schonung der Umwelt zu lösen.

Haben Sie bereits mit einem Logistik-Start-up zusammengearbeitet? Wenn ja, in welchem Kontext und welchen Erfolgen? Planen Sie eine Zusammenarbeit in der nahen Zukunft?
Wir haben gerade bei der Einrichtung und Gestaltung unseres neuen Logistiksystems mit einem Start-up zusammengearbeitet. Wichtig war es uns dabei, die einzelnen Elemente so miteinander zu vernetzen, dass es für unsere Bedürfnisse passt. Auch zukünftig planen wir entsprechende Kooperationen.

Wie sieht eine digitalisierte Logistik in zwei, fünf und zehn Jahren aus? Wie wird dann das Verhältnis zwischen etablierten Unternehmen und Logistik-Start-ups sein?
Schon bald werden alle Prozesse papierlos, schnurlos und sprachgesteuert ablaufen. Je mehr die künstliche Intelligenz das Steuer in die Hand nimmt, desto mehr hoffe ich, dass wir Menschen die Prozesse noch kontrollieren können.

Vielen Dank für das Gespräch!

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