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Die erste Aktion, April 2015: Innovative Ansätze zur Kostenoptimierung

Um ihre Unternehmen fit für die Zukunft zu machen verfolgen Transporteure in Deutschland, Österreich und der Schweiz (D-A-CH) zunehmend eine ganzheitlich und langfristig ausgerichtete Strategie. Die daraus abgeleiteten Maßnahmen betreffen insbesondere die für sie zukunftsrelevantesten Bereiche Kraftstoffkosten, Fahrergewinnung- und Qualifizierung sowie veränderte Kundenwünsche. Das verbindende Element ist die immer wichtiger werdende Kosteneffizienz. Regularien sowie neue Fahrzeugentwicklungen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Dies geht aus den Gesprächen der ersten Aktion des neuen Goodyear-Zukunftsforums „Driving Ahead“ für die Nutzfahrzeugbranche hervor.

Dieter Schölling, Director Commercial D-A-CH bei Goodyear, erläutert: „Die im Zuge der ersten Aktion von den Dialogpartnern vorgestellten innovativen Ansätze zeigen, dass es für eine nachhaltige Optimierung der Kostenstruktur darauf ankommt, einen Blick für das große Ganze und smarte Lösungen zu entwickeln. Wirkungsvolle Maßnahmen wie die Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit liegen nicht immer auf der Hand und ihr beträchtliches Potenzial kommt manchmal erst längerfristig voll zum Tragen.“

Kraftstoffkosten-Reduzierung auf allen Ebenen
Die Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs stellt aus Sicht der „Driving Ahead“-Teilnehmer einen der effektivsten Stellhebel zur Gesamtkostensenkung dar. „Der Kraftstoff ist bei uns für rund ein Drittel der variablen Kosten verantwortlich. Wir arbeiten konsequent an der weiteren Reduzierung des Verbrauchs“, berichtet Joachim Fehrenkötter, Geschäftsführer der Fehrenkötter Transport & Logistik aus Ladbergen zwischen Münster und Osnabrück. Verbrauchsauswertungen per Telematiksysteme haben sich etabliert. Zusätzlich besprechen Transporteure diese auch mit den Fahrern um Verbesserungspotenziale zu heben.

„Wir begrenzen die Höchstgeschwindigkeit für unsere Fahrer auf 85 km/h und sparen damit zwischen 1,0 und 1,8 Liter auf 100 km bei mittlerer Tonnage“, erläutert Andreas Manke, Fleetmanager und Maschinenbautechniker sowie Kunststofftechniker von der Spedition Bartkowiak mit Sitz in Hildesheim bei Hannover, eine von zahlreichen Maßnahmen. „Zudem setzen wir rollwiderstandsoptimierte Reifen ein und sparen damit nochmals mindestens 1,0 Liter auf 100 km.“ Joachim Fehrenkötter gibt seinen Fahrern eine Höchstgeschwindigkeit von 84 km/h vor, „auch wegen der ruhigeren Fahrweise und des Stressfaktors.“ Er setzt unter anderem ebenfalls auf die richtige Reifenausstattung. Ihm zufolge ist der Reifenpreis angesichts von Einsparungen beim Kraftstoff fast zu vernachlässigen.

Qualifizierte Fahrer für niedrigeren Verbrauch – Arbeitgebermarketing nötig
Jochen Quick, Geschäftsführer des gleichnamigen Transportunternehmens aus Buchholz-Mendt am Rande des Westerwaldes, konstatiert gegenüber Goodyear bei „Driving Ahead“, dass es an qualifizierten Fahrern – insbesondere hinsichtlich einer wirtschaftlichen Fahrweise – mangelt. Marco Petru vom zentralen Einkauf beim Transportunternehmen Gebrüder Weiss aus Maria Lanzendorf bei Wien, bestätigt diese Feststellung. Arbeitgebermarketing wird für viele Transporteure daher immer wichtiger, um gute Kräfte zu gewinnen und zu halten. „Wir haben insgesamt den Kontakt mit den Fahrern intensiviert“, so Quick. „Wir wollen wirklich wissen, wo der Schuh drückt.“ Flurin Wieser, Betriebsleiter und Geschäftsführer des Baumaterialien- und Transportunternehmens Montebello mit Sitz im schweizerischen Pontresina an der italienischen Grenze, findet hingegen „ein großes Angebot an sehr guten, hochqualifizierten Fahrern“ vor.


goodyear_lkw

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Kunden-Anforderungen steigen
Die Kundenanforderungen verändern sich je nach Geschäftsschwerpunkt der Dialogpartner von „Driving Ahead“ unterschiedlich. Joachim Fehrenkötter sieht einen generellen Trend zur steigenden Vergleichbarkeit von Dienstleistungen, auf die mit erweiterten Serviceleistungen, beispielsweise bei der Auslieferqualität in Sachen Auftreten, Kleidung und Artikulation des Fahrers, reagiert werden kann. Marco Petru registriert teilweise, „dass das Geschäft anonymer wird“. Ausschreibungen seien vermehrt rein am Preis pro Kilometer orientiert. Er wolle jedoch mit Qualität und nachhaltigem Wirtschaften seine Kunden überzeugen. Andreas Manke nimmt auf Kundenseite einen Wunsch nach mehr Transparenz wahr: „Er will und soll ja auch wissen, wofür er bezahlt. Wir veröffentlichen alle unsere Verbräuche und erhalten nur positive Resonanz darauf.“

Praktikable gesetzliche Vorgaben gewünscht
„Brüssel spielt in der Branche eigentlich immer eine Rolle“, fasst Jochen Quick die Quintessenz von Aussagen der „Driving Ahead“-Dialogpartner zusammen. Für Joachim Fehrenkötter sind Regularien meist positiv, solange sie Einheitlichkeit in der EU schaffen und praktikabel sind. „Auch in der Schweiz wird viel und immer mehr reguliert – sie steht der EU dabei in nichts nach“, meint Flurin Wieser. „Beispielsweise die Abgasvorschriften werden von der EU übernommen – und das sogar früher und verschärft.“

Deutsche Dialogpartner unzufrieden mit Zustand der Verkehrswege
Die „Driving Ahead“-Teilnehmer aus Deutschland üben mitunter deutliche Kritik am Zustand der hiesigen Verkehrswege. Die von der Regierung angekündigten Investitionen werden als nicht ausreichend erachtet. Andreas Manke: „Die Straßen müssen auf Vordermann gebracht werden. Je mehr die Straßen optimiert sind, desto besser ist beispielsweise der Rollwiderstand. Zahlreiche Rheinbrücken im Kölner Raum sind beispielsweise wegen Mängeln gesperrt. Hierdurch fahren wir unnütze Kilometer!“ Marco Petru und Flurin Wieser treffen im Vergleich, beispielsweise mit Osteuropa, eine positivere Einschätzung.

Lkw-Maut verbessert Umweltsituation und Lebensqualität
Trotz zahlreicher kritischer Äußerungen bei „Driving Ahead“ können einige Dialogpartner der Lkw-Maut auch Gutes abgewinnen. „Die Maut ist unserer Ansicht nach genau der richtige Anreiz, damit Unternehmer in bessere Schadstoffklassen investieren“, so Andreas Manke. „Die Maut schafft eine bessere Umweltsituation mit mehr Lebensqualität. Das ist ein volkswirtschaftlicher Auftrag.“ Jochen Quick plädiert sogar für ein Maut-Gesamtkonzept für alle Verkehrsteilnehmer, „da der Raum auf der Straße immer knapper wird.“