Interview mit Heinrich Grieshaber

Geschäftsführer, GRIESHABER Logistik GmbH, Weingarten, Deutschland


GRIESHABER Logistik GmbH

• Unternehmensgründung: 1970

• Unternehmenssitz: Weingarten

• Mitarbeiterzahl: 540

• Standorte: Ravensburg/Deutschland,
Kerpen-Türnich/Deutschland,
Mettmann/Deutschland,
Grevenbroich/Deutschland,
Singen-Hohentwiel/Deutschland,
Hürth-Kalscheuren/Deutschland,
Krško/Slowenien

• Flottenzusammensetzung- und Größe: 125 Zugmaschinen, 160 gezogene Einheiten

• Schwerpunkt des Geschäfts: internationaler / nationaler Transport, Lagerung, Kontraktlogistik und Überseeverpackung

• Homepage:www.grieshaberlog.com

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Definition der wichtigsten Zukunftsthemen: Kraftstoffkosten, Fahrermangel, veränderte Kundenwünsche und die Auswirkungen von Regularien
Das sind auf jeden Fall die wichtigsten Themen. Es geht in der Tat mehr denn je um die Kosten. Deren Senkung ist die große Herausforderung für die Branche. Spontan denke ich dabei an zwei wesentliche Punkte: erstens weniger Leerfahrten, für die man ja auch nicht bezahlt wird, und zweitens an die Maut.

Bedeutung der Kraftstoffsenkung für die Optimierung der Kostensituation
Natürlich ist der Kraftstoff mit der wichtigste Faktor, wenn es darum geht, die variablen Kosten zu senken. Wir nehmen pro Jahr ca. 15 Fahrzeuge neu in Betrieb. Bis zum Ende des Jahres wird mindestens die Hälfte unserer Flotte auf Euro 6 umgestellt sein. Unserer Erfahrung nach sind die Fahrzeuge tatsächlich deutlich sparsamer als ihre Vorgänger. Wir sind nun bei unter 30 Litern pro 100 km Durchschnittsverbrauch angekommen. Wenn man bedenkt, dass wir 40 Tonnen mit 30 Litern Diesel bewegen, ist das im Vergleich zum Pkw eine verhältnismäßig gute Zahl. Wir sind damit also bereits sehr umweltfreundlich unterwegs. Um den Verbrauch weiter zu drücken haben wir auch verbrauchseffiziente Reifen im Einsatz – und das bereits seit Längerem mit Erfolg. Es gilt der Grundsatz: Im Endeffekt ist der Anschaffungspreis irrelevant, wenn man mit dem Reifen Sprit einsparen kann.

Fahrerschulungen für eine wirtschaftlichere Fahrweise
Wir führen regelmäßig eigene Fahrerschulungen durch, um sie, unter anderem, für eine wirtschaftlichere Fahrweise zu sensibilisieren.

Fahrermangel in Region mit minimalster Arbeitslosigkeit spürbar – zusätzliche Rekrutierung in Spanien
Das Thema Fahrermangel ist in einer Region mit minimalster Arbeitslosigkeit, wie bei uns in Süddeutschland, durchaus wahrnehmbar. Aus diesem Grund bilden wir selbst viel aus. Wir achten ganz besonders auf die richtigen Qualifikationen und Fähigkeiten. Wir suchen ganz gezielt weiter, bis wir den Richtigen gefunden haben. Wir setzen verstärkt auf Werbung, auf Anzeigen, auf Unternehmenskultur, zum Beispiel auch auf Gesundheitstage und haben auch Fahrer in Spanien rekrutiert. Wir bieten ihnen zu Beginn einen zweimonatigen Intensivsprachkurs und dann einen kontinuierlichen Deutschkurs an.


Kundenwünsche werden immer aufwändiger
Die Kundenwünsche werden für uns immer aufwändiger. Ein Beispiel ist die Ladungssicherung. Im Vergleich zu früher hat sich der Aufwand dafür deutlich erhöht. So wird auch vor allem im Pharmabereich immer mehr verlangt – aber zumindest werden die Kosten bezahlt. Der Kaufpreis für einen Thermo-Auflieger springt hier gut und gerne von 30.000 auf über 80.000 Euro. Hintergrund sind unterschiedliche Temperaturzonen und zahlreiche Messpunkte, da die Luft komplett um die Ware zirkulieren muss. Im Nahverkehr müssen die Fahrer die Ware mittlerweile direkt bis zur Verwendungsstelle bringen. Aber dagegen wehren wir uns zum Teil massiv. Die Fahrer sind doch nach langer Fahrt erschöpft und sollen ihre wohlverdiente Pause machen. Ich habe leider die Befürchtung, dass diese Art von Sonderwünschen in Zukunft zunehmen wird.

Wildwuchs bei Regularien soll aufhören
Meine Meinung in Sachen Regularien ist eindeutig. Dieser Wildwuchs muss endlich einmal aufhören! Die Politik schreibt uns viel zu viel vor und dabei beweist sie, dass sie nicht über die nötige Fachkompetenz verfügt. Ein anschauliches Beispiel sind die unbefahrbaren Brücken im Kölner Raum: Hier stockt die Ausbesserung und das kostet uns durch unnötige und zeitintensive Umwege Geld. Andere Vorhaben, im Vergleich deutlich unwichtiger, werden hingegen stets bis ins letzte Detail durchexerziert. So fällt beim Mindestlohn eine aufwändige Dokumentationspflicht an. Eine alte Forderung von mir ist auch die allgemeine Erhöhung der für Lkw zulässigen Höchstgeschwindigkeiten auf Bundesstraßen. Wenn diese nicht baulich getrennt sind, darf man keine 80 km/h fahren sondern nur 60. In der Praxis weiß man doch, dass die meisten 80 fahren. Sonst gäbe es bekanntermaßen viel mehr Staus. Es wird gegen die Zu-Schnell-Fahrer ja nichts unternommen, das wird stillschweigend geduldet. Damit ist es eine sinnlose Regelung, an die sich ohnehin kaum einer hält. Auch von und zum Container-Bahnhof kann das ZGG 44 Tonnen im kombinierten Verkehr aufweisen, ansonsten nur 40 Tonnen. Technisch ist es problemlos machbar, bei 44 Tonnen 80 km/h zu fahren. Wenn man das Gewicht generell um vier Tonnen anheben würde, könnte man jeden sechsten Lkw einsparen. Das wäre gut für die Umwelt, die Verkehrsraumsituation sowie die angespannte Fahrerlage. Analog dazu wird es Zeit, dass die Gigaliner eingeführt werden. Bei 2,5 Millionen Lkw in Deutschland würden bis zu 10.000 Fahrer für den angespannten Arbeitsmarkt bei Lkw Fahrern wieder verfügbar. Durch den erheblichen Anstieg im Online-Handel wird doch ohnehin viel mehr Luft und weniger Gewicht transportiert.

Ein zentrales Telematik-System im Einsatz für digitalisierte Prozesse
Wir haben in allen Fahrzeugen ein einheitliches zentrales Telematik-System im Einsatz und zwar nicht das eines Fahrzeugherstellers sondern eines freien Anbieters. So etwas gibt es ja bereits schon länger am Markt. Die Software kann unabhängig von der Hardware in allen Fahrzeugen, egal welches Herstellers, eingesetzt werden. Das System ist auf einem Tabletcomputer im Führerhaus aufgespielt. Wenn eine Flotten-Management-Standardschnittstelle verfügbar ist, kann es auch die Motorkennwerte auslesen. Generell sehen wir den Hauptnutzen der Telematik nicht bei den Spritauswertungen. Wir tanken ohnehin zu 95 Prozent an eigenen Tankstellen und wissen daher über diesen Weg sehr viel über den Spritverbrauch unserer Flotte. Uns geht es vornehmlich darum, die Telefonanrufe zwischen Fahrern und Disposition zu reduzieren um Aufträge klar und unmissverständlich weiterzugeben und auch um die Kapazitäten zu schonen. Das ist insbesondere vor dem Hintergrund zahlreicher Fahrer aus Spanien wichtig. Selbst wenn diese Deutsch gut beherrschen, muss hierdurch weniger telefoniert und gesprochen werden. Die Fehleranfälligkeit des Prozesses ist hierdurch deutlich geringer. Die Bedienung der Telematik ist in verschiedenen Landessprachen möglich. Wir setzen die Telematik ansonsten unter anderem dazu ein, die Standzeiten an der Abladestelle zu überprüfen. Und im Falle eines Schadens kann der Fahrer mit dem Tablet ein Foto machen, sodass sich die Mitarbeiter in der Zentrale diesem unmittelbar annehmen können. Die Funktionalität ist natürlich noch ausbaubar, aber wir sehen ganz klar die großen Vorteile. Für das System fallen Transaktionsgebühren über die Telefonkarte, die eingebaut ist sowie monatliche Beiträge an. Die Zeiten der Fahrer verfolgen wir ganz einfach über die Fahrerkarte. Und letztlich geht es auch darum, gegenüber unseren Kunden jederzeit aussagefähig zu sein, wo seine Ware gerade unterwegs ist

Kunden profitieren von Telematik-Daten
Es entstehen zahlreiche Vorteile für Kunden, wenn der Transporteur eine gute Telematik einsetzt. So werden beispielsweise alle Vorgänge elektronisch archiviert. Auch die Unterschrift wird samt Datum, Empfangsort und Empfänger eingelesen. Auf diese Weise haben wir alle Unterlagen zu jeder Zeit überall verfügbar; bei Rückfragen ist alles auf einen Blick vorhanden. Das spart wiederum viel Zeit und Geld.

Telematik: Potenzial für die Zukunft noch lange nicht ausgeschöpft
Das Potenzial für die Zukunft ist bei der Telematik noch lange nicht ausgeschöpft. Hilfreich wäre beispielsweise eine intelligente Routenplanung, sodass Fahrer und Fahrzeug vorab Bescheid wissen, dass als nächstes beispielsweise ein Berg kommt.

Erwartungen an die Politik, an Fahrzeughersteller sowie an Zulieferer
Wir erwarten ganz klar von der Politik, dass die Flut an Auflagen abgebaut und dass mehr Kompetenz aufgebaut wird. Es sollte zumindest erst einmal in der Branche nachgefragt werden, ob eine Vorschrift Sinn macht oder nicht. Die Hersteller sollten sich weiterhin intensiv darum kümmern, den Verbrauch zu senken, das ist ebenfalls ein ganz klarer Fall. Zudem sollte die Technik noch robuster werden. Getriebe, Achsen und Motoren müssen länger laufen. Das gilt grundsätzlich auch für Reifen aber hier ist bereits sehr viel geleistet worden. Sie halten gut und sind vorwiegend runderneuerungsfähig.

Erwartung der Geschäftslage / strategischer Ausblick
Wir als internationale Spedition sehen, dass vor allem Russland recht stark eingebrochen ist. Deutschland ist im Vergleich eine Insel der Glückseligkeit. Damit sind wir insgesamt guter Dinge.

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