Interview mit Jochen Quick

Geschäftsführer, Quick GmbH & Co. KG, Buchholz-Mendt, Deutschland


Quick GmbH & Co. KG

• Unternehmensgründung: 1978

• Unternehmenssitz: 53567 Buchholz, Rheinland-Pfalz

• Flottenzusammensetzung- und Größe: 21 LKW (20 Sattel, 1 Tandem)

• Schwerpunkt des Geschäfts: Baustoffhandel und Logistik, Entsorgung, Natursteinhandel

• Homepage: www.quick-baustoffe.de

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Definition der wichtigsten Zukunftsthemen: Kraftstoffkosten, Fahrermangel, veränderte Kundenwünsche und die Auswirkungen von Regularien
Das sind auch aus meiner Sicht die wichtigsten Zukunftsthemen.

Zusammenhang zwischen Kraftstoffkosten und Fahrermangel
Nachhaltigkeit zu gewährleisten ist eine der größten Herausforderungen für die Branche. So müssen beispielsweise die Fahrer Tag für Tag darauf achten, so wirtschaftlich wie möglich zu fahren. Und hierzu muss man konstatieren, dass es an qualifizierten Fahrern leider mangelt. Man beginnt mit den Schulungen oft immer wieder von vorne. Die Bandbreite bei den Fahrern ist groß.

Maßnahmen um Kraftstoff einzusparen: Technologie-Einsatz und Fahrer-Einbeziehung
Wir halten bereits seit sehr langer Zeit den monatlichen Dieselverbrauch fest und nutzen nun die von den Herstellern angebotene Telematik, um weiter einzusparen. Die Telematik-Auswertungen besprechen wir in regelmäßigen Abständen mit den Fahrern.

Wir arbeiten in Sachen Fahrerschulungen sehr eng mit den Lkw-Herstellern zusammen und haben ein individuelles Programm für unsere Anforderungen entwickelt.

Wir setzen für die Kraftstoffeinsparung natürlich auch auf weitere Technologielösungen. Rund alle vier Jahre ersetzen wir unsere Lkw, das bedeutet, dass unser Fuhrparkalter im Schnitt rund zwei Jahre beträgt. Wir haben einige Euro-6-Lkw im Einsatz, die beispielsweise auch mit GPS-geführten Tempomaten ausgestattet sind. Wenn die Technik etwas hergibt, nutzen wir das auch.

Positionierung als attraktiver Arbeitgeber
Bislang können wir offene Stellen noch mit gutem Personal besetzen – natürlich müssen wir die neuen Mitarbeiter dann noch für unsere Standards weiterbilden.

Wir bezahlen überdurchschnittlich und bieten mit unserer Ausrichtung auf regionalen Baustellenverkehr – längere Routen sind die absolute Ausnahme – hervorragende Arbeitsbedingungen. Die Fahrer sind in der Regel zum Abendessen wieder zuhause und selten zum Übernachten im LKW. Saisonal bedingt starten wir im Januar und Februar unsere Anzeigenaktionen.

Eine der wesentlichsten Änderungen der jüngsten Vergangenheit besteht darin, dass wir insgesamt den Kontakt mit den Fahrern intensiviert haben. Wir wollen wirklich wissen, wo der Schuh drückt, um uns als attraktiver Arbeitgeber vom Wettbewerb abzuheben. Wir bringen ihnen große Wertschätzung entgegen und legen Wert darauf, dass sie sich wohlfühlen. So haben wir eine ‚Mitarbeiter des Jahres-Aktion‘ und ein Prämiensystem nach unterschiedlichen Kriterien.


Veränderte Kundenwünsche und das richtige Erfolgsrezept
Wir bedienen Baustellen natürlich just-in-time. Aber die Wünsche der Kunden sind manchmal schlichtweg nicht realistisch machbar, da zu Zeiten der Hochkonjunktur die Kapazitäten überall begrenzt sind. Im Bereich der Baustellen ist immer ein gewisser Vorlauf nötig, da Güter wie bestimmte Kiessorten nicht zu jeder Zeit gelagert werden können.

Gerade bei anspruchsvollen Wünschen sind die Kunden bei uns richtig, denn wir bieten ihnen alles aus einer Hand. Sie müssen sich nicht überall durchfragen, wer was und zu welchem Preis anbietet. Wir offerieren das volle Programm zu einem sehr guten Preis als Lösung aus einer Hand. Die Kunden sparen damit Aufwand, Zeit sowie natürlich auch Geld und sie schonen ihre Nerven.

Bedeutung von EU-Vorgaben
Brüssel spielt in der Branche eigentlich immer eine Rolle, in praktisch allen Bereichen. Mit den ökologischeren Euro-Motoren haben wir nicht nur zu leben gelernt, sondern wir schätzen auch diese Entwicklung. Als nächstes zu erwarten sind Aerodynamik-Vorgaben und eine Verschärfung zur Reduzierung des CO2 Ausstoßes. Die neuen Aerodynamik-Flaps sind aber nur in ganz bestimmten Bereichen einsetzbar, bei uns würden sie keinen Sinn ergeben. Aerodynamik-Teile werden hier zum Beispiel sicher kaputtgefahren.

Mit dem laufenden Zukunfts-Unterthema Lang-Lkw verbindet sich die Lösung für mehrere Herausforderungen wie Dieselverbrauch, Umweltverschmutzung, Fahrermangel und mehr. Ich bin für Lang-Lkw, muss aber sagen: Auf der Baustelle machen die sicher keinen Sinn. Aber für Punkt-für-Punkt-Verkehre zwischen Depots und Güterverkehrszentren sind sie für mich absolut zukunftsträchtig! Indirekt werden jedoch auch die Lang-Lkw Verbesserungen für unseren Bereich mit sich bringen. Alles ist vernetzt und nichts findet im luftleeren Raum statt.

Infrastruktur: Politik muss tätig werden, nicht nur ankündigen
Die Situation mit den nicht befahrbaren Brücken im Kölner Raum z.B. ist angesichts der angespannten Verkehrssituation inakzeptabel. Hier muss etwas von der Politik unternommen werden.

Der Bedarf ist unstrittig: Wir benötigen ein Mehr an Straßen aber vor allem auch verstärkte Anstrengungen für deren Erhalt. Leider wird häufig viel von der Politik angekündigt, aber es passiert dann schlussendlich doch wenig und wenn nur in sehr langen Zeiträumen.

De facto ist der Verkehrshaushalt 2015 nicht höher als die Ursprungspläne vor zwei Jahren. Da ist eher ein Minus enthalten. Ich möchte dem BMVI ja gar nicht den Willen absprechen, aber in der Umsetzung spiegelt sich dieser oft nicht wider.“

Maut: ein Baustein einer Komplettlösung für alle Verkehrsteilnehmer
Die Ausweitung der Lkw-Maut auf weitere vierspurige Bundesstraßen ab Juli sowie die Einbeziehung von Lkw ab 7,5 Tonnen in das Mautsystem ab Oktober hätten auch gebündelt stattfinden können. Dies ist nur ein Beispiel von vielen dafür, dass in Deutschland alles nur Stück für Stück vonstattengeht, große Würfe sind selten. Ich gehe so weit, für eine zentrale Komplett-Lösung – ein Maut Gesamtkonzept für alle Verkehrsteilnehmer – zu plädieren. Meiner Ansicht nach werden wir nicht umher kommen, uns neue Nutzungskonzepte zu überlegen, da der Raum auf der Straße immer knapper wird. Ich kann mir vorstellen, dass die Nutzung in vielleicht zehn bis fünfzehn Jahren über Digitalisierung und Telematik gesteuert wird. Niemand soll in seinem Recht beschnitten werden aber Regelungen werden nötig sein und das autonome Fahren ist der Treiber einer solchen Entwicklung. Wie im Schienenverkehr informiert uns das Fahrzeug dann möglicherweise darüber, dass wir erst einmal den vorrangigen Verkehr fahren lassen müssen, bevor wir selbst an der Reihe sind. Besonders populär ist das wahrscheinlich nicht aber eben nötig. Doch ich denke, das ist auf jeden Fall noch recht ferne Zukunftsmusik.“

Ich gehe davon aus, dass die Maut mittelfristig weiter steigen und die Belastung für den Gütertransport auf der Straße zunehmen wird.

Die Digitalisierung und das autonome Fahren werden insgesamt Folgen mit sich bringen, die wir heute noch gar nicht abschätzen können.

Erwartung der Geschäftslage 2015/2016
Die Rahmenbedingungen für unsere Branche Bauwirtschaft bleiben gut! Der Bedarf ist riesig, wenn es auch an der Finanzierung und Schnelligkeit noch hapert (s.o.) Da die Zinsen weiter niedrig bleiben, wird auch weiter in größerem Umfang gebaut werden. Sorgen machen die schlechte Finanzlage der Kommunen, die ja einen großen Teil der Infrastrukturerhaltung stemmen müssen. Der private Sektor (Wohnungs- und Gewerbebau) wird seinen Beitrag weiter leisten. So sehen wir die Entwicklung in 2015 als Fortsetzung der guten Vorjahre!

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