Interview mit Andreas Manke

Fleetmanager u. Maschinenbautechniker/Kunststofftechniker, Spedition Bartkowiak GmbH, Hildesheim, Deutschland


Spedition Bartkowiak GmbH

• Unternehmensgründung: 1969 Gründung der Spedition Manfred Bartkowiak als Einzelunternehmen in Hildesheim

• Unternehmenssitz: Hildesheim/ Halberstadt/ Stapelburg

• Flottenzusammensetzung- und Größe: 38 Sattelzugmaschinen (19 EURO VI, 18 EURO V EEV, 1 EURO III)

• Schwerpunkt des Geschäfts:
– jährliche Fahrleistung 3.800.00 km/ Umsatz 6.600.000,-€ (Transport ca. 85 %, Lagerei/ Umschlag ca. 15 %)

– Kunden: Getränkeindustrie 35 %, Sondermaschinenbau 20 %, freier Markt 45 %

• Homepage:
www.spedition-bartkowiak.de

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Definition der wichtigsten Zukunftsthemen: Kraftstoffkosten, Fahrermangel, veränderte Kundenwünsche und die Auswirkungen von Regularien
Das sind ganz klar die wichtigsten Zukunftsthemen!

Kraftstoffkosten als größter Faktor: Kostenstruktur und Entwicklung
In Sachen Kraftstoffkosten erleben wir derzeit eine enorm spannende Zeit. Der Dieselpreis an der Tankstelle ist um 14 bis 15 Prozentpunkte gefallen, Rohöl etwa um die Hälfte. Im Lkw-Bereich macht der Dieselpreis normalerweise bis zu ca. 30 Prozent der Gesamtkosten aus, derzeit liegt er bei 26 Prozent. In den nächsten Jahren wird er mit absoluter Sicherheit ein weiteres zentrales Thema bleiben. Wenn man die Kostenstruktur weiter betrachtet, dann bleibt von einem Euro abzüglich 26 Cent für Diesel, abzüglich 10 Cent für die Verwaltung und weiterer Fixkosten nicht mehr viel Spielraum für Investitionen. Der Gürtel muss eng geschnallt werden, um die Zukunft gestalten zu können.

Der Diesel als größter Kostenfaktor wird ein Problem bleiben, solange fossile Kraftstoffe im Einsatz sind. Zum Vergleich: Bartkowiak hatte im Jahr 2000 einen Kraftstoffanteil an den Gesamtkosten von unter 10 Prozent. Derzeit liegt er bei knapp unter 30 Prozent! Durch die Kraftstoffkosten sind in wenigen Jahren gigantische Herausforderungen entstanden. Und damals gab es noch nicht einmal die Maut.

Maßnahmen zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs
Mit einer oder ein paar wenigen Maßnahmen ist es nicht getan. Wir begrenzen die Höchstgeschwindigkeit für unsere Fahrer auf 85 km/h und sparen damit zwischen 1,0 und 1,8 Liter auf 100 km bei mittlerer Tonnage. Zudem setzen wir rollwiderstandsoptimierte Reifen ein und sparen damit nochmals mindestens 1,0 Liter auf 100 km. Überdies setzen wir auf Aerodynamikteile am Fahrzeug: Unsere komplette Flotte ist mit Dachspoilern oder Vergleichbarem ausgestattet. Das Einsparpotenzial liegt hier bei 1,0 bis 1,5 Liter auf 100 km. Mit dem Einsatz von Leichtbaufahrzeugen im Aufliegerbereich sparen wir zudem rund 1,5 Liter auf 100 km ein. Es zeigt sich: Man kann viel tun!

Oftmals ist auch technisch nicht immer alles richtig eingestellt, daher ist ein technisches Controlling sehr wichtig.

Fahrermangel
Die Speditionen konnten sich in den letzten 20 Jahren in Sachen Fahrer-Gewinnung praktisch auf die faule Haut legen. Die Grundvoraussetzungen hat z. B. die Bundeswehr geliefert. Doch mit dem Wegfall der Wehrpflicht ist gleichzeitig auch ein riesiges Potenzial an Fahrern weggefallen. Die meisten Speditionen haben sich gar nicht darauf eingestellt, von den ganz großen vielleicht abgesehen. Angesichts des demografischen Wandels und des aktuellen Altersdurchschnitts der Fahrer ist der zunehmende Fahrermangel eines der kritischsten Zukunftsthemen überhaupt!“


Maßnahmen gegen den Fahrermangel
Man muss schon etwas Geld in die Hand nehmen und sich als Arbeitgeber positionieren, neue Mitarbeiter gewinnen und vorhandene langfristig binden. Wir bei Bartkowiak arbeiten mit einem Promotion-Team, das Fahrer auf Rasthöfen befragt, und gewinnen so die nötigen Informationen. Das Unternehmen ist sehr sozial aufgestellt und wir verfügen dadurch über einen guten Fahrerstand und Informationen aus erster Hand. Man muss sich beispielsweise auch Gedanken darüber machen, wie man das Fahrerhaus konfiguriert, sodass sich der Fahrer wohl fühlt. Unser Ziel ist, ein Wohlfühl-Arbeitsumfeld zu schaffen.“

Regularien als Markt-Korrektiv
Derzeit sehen wir noch eine deutliche Marktverzerrung in Europa, da EU-Vorgaben in den einzelnen Ländern unterschiedlich umgesetzt werden. Hier besteht noch großer Bedarf, dies anzugleichen. Die Gründe liegen auf der Hand: In manchen Ländern haben wir viel mehr übermüdete Fahrer und veraltete Fahrzeuge und damit eine höhere Unfallquote.

Zudem ist ein europaweiter Mindestlohn wichtig um dem vorliegenden Verdrängungswettbewerb Einhalt zu gebieten. Die zentrale Hausaufgabe der nächsten Jahre für die Politik lautet: Einheitlichkeit schaffen. Der Anteil an Kraftfahrzeugen, die nicht in Deutschland angemeldet sind, ist hoch. Soziale Speditionen wie Bartkowiak sind somit im Wettbewerbsnachteil. Online-Plattformen für Transporteure unterstützen das leider.

Veränderte Kundenanforderungen
Heute ist Pünktlichkeit den Kunden deutlich wichtiger als früher. Einige legen Wert auch darauf, dass man mit Euro 6 fährt und auf der Rechnung den ‚Carbon Footprint‘ abbildet. Ansonsten sehen wir keine großen Veränderungen in den letzten 20 Jahren.

Das Selbstverständnis, das alles zu jeder Zeit verfügbar ist, hat sich aber schon geändert. Großkonzerne haben ihre Lager auf die Autobahn verlegt. Das sollte wieder normalisiert werden. Es kann ja nicht die Lösung sein, dass der Kunde Lagerfläche einspart und der Spediteur mehr ausgibt.

Wir setzen sehr stark auf Transparenz, auf ein offenes Geschäftsverhältnis zu unseren Kunden mit einer gemeinsamen Zielsetzung. Wir tauschen uns mit dem Kunden aus und wir sehen auch den Wunsch auf Kundenseite nach mehr Transparenz. Er will und soll ja auch wissen, wofür er bezahlt. Wir veröffentlichen alle unsere Verbräuche und erhalten nur positive Resonanz darauf. Die Kunden ziehen nicht den Schluss daraus, dass sie bei weniger Verbräuchen auch günstiger fahren sollten. Die Gewinne werden für ein verbessertes Angebot bei uns reinvestiert.

Innovationen als wichtiges Zukunftsthema
Wir können dankbar für das Innovationsland Deutschland sein: Es gibt bereits so viele gute Innovationen am Markt, aber sie werden leider nicht ausreichend genutzt. Wir haben so ziemlich jede wichtige Innovation, die es am Markt gibt, ausprobiert und in unsere Flotte integriert. Viele Spediteure sehen sich in der Opferrolle und nehmen immer die Hersteller sowie die Lieferanten in die Pflicht mit der Begründung, dies nicht finanzieren zu können. Sie fordern viel und wollen dann nicht investieren.

Das ist aber alles keine Zauberei! Man kann sich auf dem Markt informieren und sich etwas Passendes zusammenstellen. Wir brauchen mehr Bereitschaft für Innovationen in der Branche!

Das Hauptproblem für viele ist das Controlling. Viele wissen nicht, wie viel sie einsparen könnten.

Wir haben ein neues Projekt in der Pipeline: Wir stellen einen Truck samt Trailer zusammen, den sich jeder leisten kann und der alle Vorteile bietet.

Infrastruktur – Forderungen an die Politik
Das ist ein sehr wichtiges Thema aus unserer Sicht. Es ist ganz klar: Die Straßen müssen auf Vordermann gebracht werden. Je mehr die Straßen optimiert sind, desto besser ist beispielsweise der Rollwiederstand. Es sind immer zwei Seiten einer Medaille.

Zahlreiche Rheinbrücken im Kölner Raum sind beispielsweise wegen Mängeln gesperrt. Hierdurch fahren wir unnütze Kilometer! Wir plädieren für ein einheitliches qualitatives Straßensystem nicht nur in Deutschland sondern in ganz Europa.

Die Maut und ihre positiven Effekte
Die Maut ist unserer Ansicht nach genau der richtige Anreiz, damit Unternehmer in bessere Schadstoffklassen investieren. Andere, die weniger moderne Technologien nutzen, sehen das bestimmt anders. Die Maut schafft eine bessere Umweltsituation mit mehr Lebensqualität. Das ist ein volkswirtschaftlicher Auftrag. Das Thema muss über Dekaden hin beurteilt werden, nicht von Quartal zu Quartal. Die Maut hat die Spediteure natürlich hart getroffen, es hätte stärker mit staatlichen Subventionen verbunden sein können. Ökologie und Ökonomie gehen jedoch Hand in Hand.

Die Erweiterung der Maut auf Bundesstraßen macht Sinn. Wenn sie wie die Autobahn über vier Spuren verfügt, dann ist das zweckmäßig für eine Harmonisierung der Straßennutzung. Hoffentlich werden dabei auch die Strecken erwischt, die derzeit noch benutzt werden, um die Maut zu umgehen.

Erwartung der Geschäftslage 2015/2016
Wir sind sehr zuversichtlich, dass unser Konzept der gesamtheitlichen Betrachtung aufgeht. So streben wir für das Jahr 2020 einen Verbrauch von 20 l/100 km an. Ein Projekt dazu starten wir bereits im Frühjahr 2015 www.Spedition-Bartkowiak.de.

Wenn sich die Politik auch eine ähnliche TCO-Betrachtung auf die Fahnen schreibt, dann wird es Veränderungen geben müssen. Wir sind da vorsichtig optimistisch.

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