Interview mit Joachim Fehrenkötter

Geschäftsführer, Fehrenkötter Transport & Logistik GmbH, Ladbergen, Deutschland


Fehrenkötter Transport & Logistik GmbH, Deutschland

• Unternehmensgründung: 1929

• Unternehmenssitz: Ladbergen

• Flottenzusammensetzung- und Größe: 180 Lkws

• Schwerpunkt des Geschäfts: Landmaschinentransporte, Fahrzeugtransporte, Spezialtransporte, Logistik-Dienstleistungen

• Homepage: www.fehrenkoetter.de

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Definition der wichtigsten Zukunftsthemen: Kraftstoffkosten, Fahrermangel, veränderte Kundenwünsche und die Auswirkungen von Regularien
Diese Aufzählung ist so korrekt, auch exakt in dieser Reihenfolge.

Bedeutung von Kraftstoffeinsparungen angesichts gegenwärtig niedriger Rohölpreise
Unabhängig von aktuellen Entwicklungen wie dem derzeit niedrigen Rohölpreis arbeiten wir konsequent an der weiteren Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs. Wir verstärken unsere Anstrengungen sogar. Der Kraftstoff ist bei uns für rund ein Drittel der variablen Kosten verantwortlich. In Zeiten von starkem Margendruck müssen Kostenverbesserungen erzielt werden und in diesem speziellen Bereich gibt es noch Potenzial zu heben. Die Kraftstoffreduzierung wird immer ein zentrales Thema bleiben.

Maßnahmen für Verbrauchssenkung
Seit Jahren setzen wir ein umfassendes Maßnahmenpaket um. Alleine in den vergangenen zwölf Monaten konnten wir unseren Flottenverbrauch um rund einen Liter pro 100 Kilometer senken.

Zentral hierfür war, zunächst ein telematikbasiertes System für die kontinuierliche Kostenüberwachung zu implementieren. Auf Grundlage dieser Daten gilt es, die Fahrer entsprechend zu schulen – und zwar regelmäßig. Wir lassen uns dabei von einem versierten externen Trainer unterstützen. Seine Aufgabe ist, den Fahrern die Hintergründe einer optimierten Fahrweise zu erläutern. Sie müssen auch ihren eigenen Vorteil darin erkennen. Wir geben beispielsweise maximal 84 Stundenkilometer als Höchstgeschwindigkeit vor; aus Verbrauchsgründen, aber auch wegen der ruhigeren Fahrweise und des Stressfaktors. Dazu zählt zudem die Vorgabe, nicht zu überholen.

Andere Maßnahmen sind im Bereich Technologie angesiedelt. So fahren wir eine junge Flotte mit mehrheitlich Euro-6-Fahrzeugen. Der Reifendruck ist ein weiteres großes Aufgabenfeld. Aber auch die Reifenbeschaffenheit und Reifenqualität spielen eine wichtige Rolle. Das haben viele Kollegen bei anderen Transportfirmen noch nicht erkannt. Sie schielen oft auf den Reifenpreis, aber der ist im Vergleich deutlich weniger relevant. Wenn ein Reifen nur ein paar Prozent Kraftstoff einspart, dann ist der Anschaffungspreis fast zu vernachlässigen.

Maßnahmen gegen Fahrermangel
Wir betreiben seit Jahren aktives Arbeitgebermarketing und positionieren uns als attraktives Unternehmen für Fahrer – mit Erfolg! Es ist leider keine Selbstverständlichkeit in der Branche, dass man fair mit den Fahrern umgeht, aber wir können das in der Tat für uns reklamieren. Wir tun viel dafür, dass die Fahrer sich respektiert und anständig behandelt fühlen. Dazu zählt beispielsweise eine absolut pünktliche Bezahlung aber auch das Arbeitsmittel der Fahrer, das Fahrzeug bzw. dessen Ausstattung. Ein Kraftfahrer gilt bei uns als Facharbeiter und bestimmt nicht als Hilfskraft. Wir befinden uns in der komfortablen Situation, dass wir eine Warteliste an interessierten Fahrern, die gerne bei uns anheuern wollen, haben.

Veränderte Kundenwünsche und entsprechende Maßnahmen
Wir sehen den Trend der Individualisierung der Fahrzeuge weiter zunehmen. Beispielsweise ist es einigen Kunden von uns wichtig, dass die Fahrzeuge, die wir für sie transportieren, sich unter einer schützenden Plane befinden. Hier arbeiten wir eng mit den Herstellern zusammen um spezielle Fahrzeuge je nach Kundenwunsch zu entwickeln.

Grundsätzlich werden Dienstleistungen immer vergleichbarer. Mit erweiterten Serviceleistungen kann man sich positiv vom Wettbewerb abheben. Ein Aspekt ist beispielsweise die Auslieferqualität, die immer wichtiger wird. Das Auftreten des Fahrers, seine Kleidung sowie seine Artikulation sind schließlich ein Bestandteil des Offerings.

Regularien – Appell an die Politik für mehr Praktikabilität
Grundsätzlich wird immer stärker reguliert und das ist im Prinzip meist positiv, wenn dadurch mehr Einheitlichkeit in Europa und in Deutschland hergestellt wird. Im Kern kommt es mir darauf an, dass die Gesetze praktikabel ausgestaltet sind. So ist der Mindestlohn ein Beispiel für enormen Verwaltungsaufwand. Mein Appell: Lasst uns bitte in Ruhe arbeiten, liebe Politiker. Legt uns nicht jeden Tag neue Steine in den Weg.

Weitere Zukunftsthemen: autonomes Fahren und Lang-Lkw
Autonomes Fahren bzw. teilautonomes Fahren bieten auf jeden Fall Potenzial. Das teilautonome Fahren, das wir ja in Ansätzen bereits schon heute sehen, bietet zum Beispiel beim Fahren in der Kolonne Vorteile.

Lang-Lkw sind ein recht fernes Zukunftsthema aus meiner Sicht. Die politische Situation ist einfach zu festgefahren, in den nächsten zehn Jahren erwarte ich keine großen Fortschritte. Volkswirtschaftlich betrachtet müssten diese bereits seit zehn Jahren am Markt sein. Wer wird ansonsten Profiteur davon sein? Die Hersteller. Und wir Transporteure müssen die Investitionen tätigen. Aus diesem Grund ist das kein Thema, das wir forcieren.

Appell an Hersteller und Zulieferer
Unsere Erwartungshaltung gegenüber den Herstellern aber auch den Zulieferern ist, dass wir Technologie benötigen, die eine weitere Kraftstoffreduzierung ermöglicht. Hierzu zählt auch, dass sie uns noch bessere Informationsgrundlagen an die Hand geben sollten, um die Fahrweise der Fahrer zu optimieren.

Infrastruktur: noch höhere Investitionen nötig – Maut-Erlöse werden nicht richtig eingesetzt
Die gesperrten Brücken im Raum Köln stellen für uns einen großen Mehraufwand dar und andernorts sieht es auch nicht viel besser aus. Angesichts dieser Situation kann man das als besonders groß deklarierte angekündigte Investment in die Infrastruktur nicht ganz ernst nehmen. Das ist bestimmt nicht der große Wurf. Es wird einmal mehr nur das aller Notwendigste getan.

Die Maut bedeutet für mich, dass unsere Branche der Geldeintreiber des Staates spielt. Im Endeffekt ist sie ja nur eine verdeckte Steuer auf Produkte und der Etat für die Infrastruktur hat davon nicht profitiert.

Ich sehe in der Pkw-Maut auch nur die Ouvertüre, um hier zukünftig stärker abgreifen zu können, wenn über die Mineralölsteuer einmal weniger eingenommen wird.

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