Interview mit Micha Hofmann

Fuhrparkleiter & Mitglied der Geschäftsführung, Steinbach GmbH & Co. Spedition KG, Bayreuth, Deutschland


Steinbach GmbH & Co. Spedition KG

• Unternehmensgründung: 1963

• Unternehmenssitz: Bayreuth

• Standorte: Nürnberg, München

• Mitarbeiterzahl: ca. 250

• Fuhrpark (Einsatzfahrzeuge): 153 ziehende Einheiten, 306 Einheiten insgesamt

• Leistungsspektrum: Fokus auf den Baustoff- und Kartonagenindustrien; Nischendienstleister: Komplettangebot mit Lieferung u.a. bis auf die Baustelle beim Endkunden; Ausrüstung mit ganz speziellem Equipment wie Mitnahmestapler; Logistik (Baustoffindustrie): Waren werden eingelagert, bearbeitet und verteilt

• Homepage:
www.steinbach.de

goodyear_lkw

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Definition der wichtigsten Zukunftsthemen: Kraftstoffkosten, Fahrermangel, verändertes Markt- und technisches Umfeld inkl. Kundenwünschen und die Auswirkungen von Regularien
Dies spiegelt unsere Zukunftsthemen wieder.

Welche Rolle spielt das Thema Services dabei?
Wir betrachten das Thema Services als ein großes Ganzes bestehend aus verschiedenen einzelnen konkret definierten Dienstleistungen. Das bedeutet, dass eine überschaubare Anzahl an Anbietern – um den Aufwand für uns gering zu halten – so viele Leistungen wir möglich für uns erbringt. Und das bei optimaler Betreuung und mit viel Flexibilität.

Services spielen auf vielen Ebenen eine Rolle hinsichtlich der wichtigsten Zukunftsthemen. Dynamische Veränderungen in der Branche machen es dabei erforderlich, dass sich Services flexibel anpassen. So hat die Bedeutung der Kraftstoffkosten weiter zugenommen. Wenn unsere Fahrer beispielsweise dank des Vor-Ort-Reifenservice an der Strecke keine Umwege mehr fahren müssen und damit keine unnötigen, kostspieligen Extra-Kilometer anfallen, dann erst bringt uns dieses Dienstleistungsangebot wirklich etwas.

Auch durch den Fahrermangel und den gesellschaftlichen Wandel haben sich Services immer wieder neu definiert. Der Reifenhändler kommt mittlerweile zu uns, um Servicefunktionen zu übernehmen.

Aus unserer Sicht kommt guten Mitarbeitern immer mehr Bedeutung zu. Dies wirkt sich nämlich unmittelbar auf die Kundenzufriedenheit und z. B. über den Kraftstoffverbrauch auch auf die Kosten aus. Es ist für uns absolut wichtig, dass unsere Fahrer für diese Themen sensibilisiert sind. Wir fördern dies mit umfangreichen Schulungen und gehen dabei sehr praxisorientiert vor. Dieser Weg ist unserer Erfahrung nach am zielführendsten. Wir wenden uns dafür auch direkt an die Fahrzeughersteller, die uns entsprechend geschulte Trainer an die Seite stellen.


Welche Services nutzen Sie und weshalb? Was machen Sie in-house, was extern?
In Sachen Reifenservice beispielsweise hat das Unternehmen früher auf mehrere Anbieter gesetzt. Damals wurde einfach das jeweils günstigste verfügbare Produkt gekauft. Dies hatte zur Folge, dass unser Lagerbestand sich aus sehr vielen unterschiedlichen Herstellerprodukten zusammensetzte, man am Ende mehrere Rechnungen mit unterschiedlichen Preisen prüfen musste und insgesamt einen deutlich höheren Verwaltungsaufwand hatte. Mittlerweile haben wir eine Vereinbarung mit Goodyear und einen weitgehend einheitlich bereiften Fuhrpark.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil eines zentralen Anbieters ist, dass man nur noch einen Ansprechpartner hat. Auch dies spart viel Zeit und Aufwand. Der Außendienstmitarbeiter von Goodyear übernimmt praktisch komplett die Abwicklung mit dem Reifenhändler, was zusätzlich dabei hilft, den Zeitaufwand zu verringern. Wichtig hierbei ist natürlich, dass die Betreuung insgesamt stimmt – Erreichbarkeit ist dabei das A und O – und dass die Zusammenarbeit vertrauenswürdig ist. Der Service-Gedanke muss gelebt werden. Preis und Leistung müssen selbstverständlich auch immer zusammenpassen.

Services sind meiner Meinung nach dazu da, um uns den Rücken frei zu halten, sodass wir uns auf das Kerngeschäft konzentrieren können. Angesichts von Reifenkosten von rund vier bis fünf Prozent der gesamten Fuhrparkkosten wird klar, dass es nicht nur um die reinen Produktkosten geht. Die Kraftstoffkosten sind im Vergleich deutlich höher und hier haben wir noch zahlreiche Stellhebel. Hierzu zählt unter anderem die Art der eingesetzten Reifen, beispielsweise verbrauchsarme Reifen wie der Goodyear FUELMAX, aber auch hochwertige Reifenservices.

Das Thema Reifenrunderneuerung ist ebenfalls ein wichtiger Faktor bei der Kostensenkung und auch hier ist es hilfreich, dass uns unser Goodyear-Ansprechpartner tatkräftig zur Seite steht. Das zentrale Online-Tool, das uns hierfür zur Verfügung gestellt wird, ist dabei absolut nützlich, damit wir uns auch selbst jederzeit einen Überblick über den Stand der Dinge verschaffen können.

Was sind wichtige Service-Kriterien?
Die für uns wichtigsten Kriterien für exzellenten Service sind ganz klar: Schnelligkeit und Verfügbarkeit, aber auch Qualität und Zuverlässigkeit sowie Reporting, d.h. die Nachvollziehbarkeit von Ablaufprozessen. Qualität und Zuverlässigkeit sind wichtige Bausteine, um unsere eigenen Serviceversprechen gegenüber unseren Kunden zu erfüllen.

Die Qualität des Service eines Unternehmens steht und fällt jedoch mit dem Engagement der Mitarbeiter. Sicher laufen die allermeisten Vorgänge „online“ ab und das ist gut und richtig so. Aber für die Sonderfälle brauchen wir einen kompetenten, vertrauenswürdigen und zuverlässigen Ansprechpartner wie zum Beispiel unseren Kontakt zu Goodyear, der nicht nur bei Verhandlungen, sondern auch persönlich erreichbar ist.

Welche Bedeutung werden Services zukünftig haben?
Wir sind davon überzeugt, dass die Bedeutung von Services in unserer Branche nicht abnehmen wird. In unserem Business — der Logistik-Welt — dreht sich alles um die zuverlässige Anlieferung; die Lieferkette darf nicht unterbrochen werden. Die richtigen Services werden hierzu auch in Zukunft einen wesentlichen Beitrag leisten.

Maßnahmen zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs
Um den Kraftstoff zu senken, führen wir seit vielen Jahren gemeinsam mit einem Partner Tests im Bereich Aerodynamik durch und lassen uns Spoiler und Seitenteile herstellen – wir nehmen nicht alles von der Stange, denn das passt nicht immer zu 100 Prozent.

Die Drosselung der Höchstgeschwindigkeit bringt – nach einer gewissen Eingewöhnungsphase – ebenfalls signifikante Einsparungen und keine messbaren Einschränkungen bei den Leistungsparametern.

Unsere durchgängige Telematik ermöglicht uns, sowohl unsere eigenen Wartungs- und Instandhaltungsprozesse vorauseilend zu steuern als auch Unregelmäßigkeiten im Fahrerverhalten zeitnah zu erkennen. Die Optimierung der Kommunikation mit unseren langjährigen Kunden steht ebenso im Vordergrund und ermöglicht deutliche Effizienzgewinne.

Auch eine Art von Start-Stopp-Systemen ist bei uns mit guten Ergebnissen im Einsatz.

Kundenwünsche
Die Kundenwünsche entwickeln sich mehr oder weniger analog zu den neuen Möglichkeiten, welche die Telematik bietet. Kunden legen zunehmend Wert auf die Sendungsverfolgung von Waren in Echtzeit. Hierzu zählt sowohl die – selbstverständlich pünktliche – Anlieferung beim Kunden mit Echtzeitrückmeldung an den Auftraggeber als auch die Fertigmeldung des durchgeführten Transportauftrages. Ein weiterer Aspekt ist, dass Kunden immer mehr erwarten, dass das Zeitfenstermanagement für die Beladung optimiert wird. Hier haben wir bereits einen hervorragenden Stand aufzuweisen.

Regularien
Wir erwarten, dass Maßnahmen mit ausreichend zeitlichem Vorlauf bereits vor Inkrafttreten bekannt gegeben werden. Des Weiteren ist es unerlässlich, dass Regelungen und deren Anwendung inklusive der Kontrolldichte europaweit vereinheitlicht werden.

Einschätzung zur zukünftigen Bedeutung bahnbrechender Innovationen wie neuen Antriebstechnologien sowie dem Autonomen Fahren
Positiv sehen wir den Abstandstempomaten und das mitdenkende Getriebe.

Mit dem autonomen Fahren verbinden wir die Hoffnung, dass hierdurch der Beruf des Kraftfahrers an Attraktivität hinzugewinnt um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken.

Das Konzept des autonomen Fahrens hört sich auf jeden Fall sehr gut an, aber ich denke, man wird immer einen Kraftfahrer benötigen. Autonom an die Laderampe und durch die Stadt zu fahren stelle ich mir sehr schwierig vor für die Technologie. Die elektronische Datenwelt ist meines Erachtens noch nicht ganz so weit. Auf der Autobahn mag das selbstfahrende Fahrzeug sogar sicherer unterwegs sein, analog zum Flugverkehr. Technik reagiert bekanntlich sensibler und schneller. Auch angesichts des Fachkräftemangels sind wir als Branche dazu gezwungen, aktiv zu werden. Die Kernfrage, die sich hieran anschließt, lautet wie immer: wird das alles finanzierbar sein? Auch hieran habe ich aktuell Zweifel.

Daher gehen wir davon aus, dass der Verbrennungsmotor die nächsten Jahrzehnte noch den Markt anführen wird. Im regionalen Zustellverkehr und im städtischen Bereich werden ja bereits neue Systeme getestet.

Erwartung der Geschäftslage 2015 / 2016 insgesamt
Wir erwarten eine weitere Stabilisierung der Eurozone.

Wenn alle Wirtschaftsbeteiligten ihre „Hausaufgaben“ erledigen und globale Krisen ausbleiben, sehen wir gute Tendenzen für dieses und das kommende Jahr.

Auf dieser Basis können wir auch mit temporärer Stagnation umgehen.

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