Interview mit Josef Jäger

Verwaltungsratspräsident und Direktor, Camion Transport AG, Wil (Kanton St. Gallen), Schweiz


Camion Transport AG

• Unternehmensgründung: 1925

• Unternehmenssitz: Wil SG

• Standorte: 15 (Schweiz)

• Mitarbeiterzahl: 1.200

• Fuhrpark: 600 Fahrzeuge (Züge)

• Leistungsspektrum: Stückgutverteilung Schweiz (Kerngeschäft) und Lagerlogistik Schweiz

• Homepage:
www.camiontransport.ch

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Definition der wichtigsten Zukunftsthemen: Kraftstoffkosten, Fahrermangel, verändertes Markt- und technisches Umfeld inkl. Kundenwünschen und die Auswirkungen von Regularien
Diese Themen zählen auf jeden Fall zu den zukunftsrelevantesten. Für die Schweiz kommt noch der Punkt „mangelnde Infrastrukturen“ hinzu.

Maßnahmen zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs
Unser Geschäftsmodell unterscheidet sich signifikant von den meisten Transportunternehmen in der Schweiz und ganz besonders von denen in Deutschland und Österreich. Dies hat zur Folge, dass unsere Betriebskosten sowie unsere Verbräuche sich völlig anders darstellen. Vor dem Hintergrund des Lohngefüges in der Schweiz sind Lohnkosten bei uns ein wichtigeres Thema. Die Verbrauchskosten spielen dennoch natürlich ebenfalls eine große Rolle.

Zehn unserer Niederlassungen verfügen über eine Bahnanbindung. Die Güter werden beim Kunden abgeholt und nachts per Bahn an große Standorte geliefert und dort gebündelt bzw. umverteilt. Nur rund 50 unserer Lkw sind schweizweit unterwegs, die anderen sind alle regional eingesetzt und pendeln zwischen unseren bahnangebundenen Standorten und den Kunden.

Dies ist möglich durch das sehr leistungsfähige Netz der Bahn. Ökologisch hat dies einen sehr positiven Effekt: Wir verzeichnen 25 Prozent weniger CO2-Ausstoß.

Dessen ungeachtet führen wir in regelmäßigen Abständen Öko-Fahrtrainings für Fahrer durch. Wir haben zusätzlich eine prämienrelevante Leistungsbeurteilung.

Außerdem analysieren wir die Verbräuche über Telematiksysteme und wir setzen auf die neuesten Eco-Reifen von Goodyear wie den FUELMAX.


Welche Services nutzen Sie und weshalb? Was machen Sie in-house, was extern?
Wir lassen praktisch alle anfallenden Services extern erbringen. Auch hier ist der Grund wieder eine besondere Eigenheit, die es in dieser Form wohl nur bei uns gibt: Unsere Schwesterfirma, das Handels- und Dienstleistungsunternehmen LARAG, übernimmt diese Aufgabe.

Was sind wichtige Service-Kriterien?
Bei Services ist zu allererst eine hohe Flexibilität unerlässlich. Es ist unser Ziel, ein Fahrzeug im Jahr nur einmalig stillzulegen und zwar im Zuge der obligatorischen Untersuchung. Direkte Abstimmungswege sind ebenfalls sehr wichtig für uns.

Insgesamt müssen Kosten und Nutzen selbstverständlich in einem günstigen Verhältnis zueinander stehen.

Unsere teilweise etwas ungewöhnlichen Service-Anforderungen in Bezug auf unsere Flotte liegen in unserem Geschäftsmodell begründet. Da die meisten unserer Lkw im extremen Stop-and-go-Verkehr fahren – mit bis zu 25 Abladestationen alleine an einem Vormittag – sind unsere Fahrzeuge vergleichsweise stark beansprucht, gerade bei den Reifen.

Aufgrund des häufigen Einsatzes im Innenstadtverkehr weisen unsere Reifen verstärkt Beschädigungen durch Kreisverkehrsbefestigungen und Bürgersteige auf.

Aufgrund einer intensiven Wartung bleiben unsere Fahrzeuge zwar nur selten liegen. Ist dies dennoch einmal der Fall, sehen wir eine sehr gute Abdeckung durch die Hersteller, die Interventionszeiten sind kurz.

Ich bin selbst gelernter Lkw-Mechanikermeister und habe daher einen engen Bezug dazu.

Das Thema Wartung ist auch ein wichtiger Imagefaktor beim Anwerben von neuen Fahrern: Ein gepflegtes Fahrzeug macht den Job nachvollziehbarerweise attraktiver.

Welche Bedeutung werden Services zukünftig haben?
Wir legen großen Wert darauf, so viele Services wie möglich aus einer Hand zu erhalten. Und dies zuverlässig sowie flexibel zu entsprechenden Kosten.

Wesentliche Veränderungen an der Bedeutung von Services für die Branche sehe ich derzeit nicht anstehen.

Fahrermangel
Wenn überhaupt, dann ist es bei uns höchstens einmal punktuell der Fall, dass auch wir kleinere Engpässe bei den Fahrern haben. Wir steuern dem pro-aktiv entgegen, indem wir selbst zahlreiche Fahrer jedes Jahr ausbilden und auch Programme für Quereinsteiger anbieten.

Auszubilden ist zwar kostenintensiv, aber auch ertragreich. Keiner in der Branche sollte sich über einen Mangel an qualifizierten Fahrern beklagen, wenn er nicht selbst ausbildet.

Unser Fokus auf dem Regionalverkehr bringt natürlich Vorteile mit sich, die Fahrer sind abends wieder zu Hause.

Wir nutzen unsere Präsenz auf der Straße ansonsten auch, um auf unser Unternehmen und offene Stellen aufmerksam zu machen. Lkw eignen sich hervorragend als Werbeträger.

Wichtiger als solche Werbung ist jedoch ganz klar die Reputation, die man sich erarbeitet. Es ist unter den Fahrern bekannt, wer ein guter Arbeitgeber ist und wer nicht.

Kundenwünsche
Vieles wird mittlerweile als selbstverständlich erachtet. Die Transportbranche hat hier eine ähnliche Entwicklung wie die Gastronomie durchlaufen.

Weiche Faktoren wie eine saubere und einheitliche Firmenkleidung sowie entsprechendes Verhalten gegenüber Kunden, zählen hier dazu.

Wir stellen ansonsten fest, dass die Kunden oftmals hektischer als früher agieren und dass ihre Ansprüche steigen.

Die Stückgutverteilung ist natürlich sehr kritisch, wenn es um Terminlieferungen geht, was häufig der Fall ist. Wir arbeiten mit Terminzuschlägen. Wer bereit ist, diese zu bezahlen, wird auch mit Priorität behandelt. Auf diese Weise trennen wir echte von unechter Nachfrage bei den Kunden.

Regularien
Europäische Vorschriften werden mit Nachdruck und auch noch verschärft in der Schweiz umgesetzt. Es gibt hierbei einen „automatischen Vollzug“. Die Schweiz ist Spitzenreiter – zu Lasten der Unternehmen.

Ein bekanntes Beispiel ist die obligatorische jährliche Fahrzeuguntersuchung. Sie basiert zwar auf der gleichen gesetzlichen Grundlage, dauert jedoch sie länger und ist teurer.

Einschätzung zur zukünftigen Bedeutung bahnbrechender Innovationen wie neuen Antriebstechnologien sowie dem Autonomen Fahren
Neue Antriebstechnologien sind bei uns bereits Realität. Wir haben mit Erdgas betriebene Fahrzeuge sowie im Bereich von 7,5 Tonnen Hybridlastwagen auf der Straße.

Für uns ist Ökologie im Transport ein Schwerpunktthema. Es ist uns ein Anliegen, hier unseren Beitrag zu leisten. Das tun wir bestimmt nicht aus Marketinggründen. Unser Ziel ist, hierbei eine Führungsrolle einzunehmen. Das von uns implementierte Programm, mit dem wir einen umfassenden Ansatz verfolgen, nennt sich „Eco Balance“.

Die Werte wandeln sich, auch bei Kunden, und wir wollen unserer Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft nachkommen.

Ich bin davon überzeugt, dass wir je nach Einsatzgebiet zukünftig die unterschiedlichsten Antriebsarten im Einsatz haben werden.

Außerdem bin ich davon überzeugt, dass mit der Fahrbahn kommunizierende Fahrzeuge in absehbarer Zeit auf den Straßen unterwegs sein werden. Ich bezweifle jedoch, dass dies in Richtung Google-Auto bzw. komplett autonomes Fahren geht.
Ich könnte mir ein Modell vorstellen, bei dem der Fahrer ganz normal selbst auf der Landstraße steuert und sich dann bei der Auffahrt auf die Autobahn in ein System einklinkt, sodass der Computer die Führung des Fahrzeugs übernimmt.

Meiner Einschätzung nach müssen nicht nur die Fahrzeuge entsprechend ausgerüstet sein, sondern vor allem auch die Infrastruktur. Ich denke, dass dies technisch praktisch schon heute funktionieren könnte. Da sowohl Infrastruktur als auch Gesetzesgrundlage hierfür erst einmal geschaffen werden müssen, gehe ich davon aus, dass wir in ca. 15 Jahren soweit sein könnten.

Erwartung der Geschäftslage 2015 / 2016 insgesamt
Derzeit sind wir in Europa aufgrund des Wechselkurses mit einer sehr speziellen Situation konfrontiert. Viele exportorientierte Unternehmen haben derzeit Schwierigkeiten, wir sehen Produktionsverlagerungen ins nahe Ausland sowie einen starken Kostendruck.

Unser Unternehmen ist bestimmt besser aufgestellt als der Durchschnitt, daher erwarten wir ein konstantes Ergebnis trotz eines abnehmenden Marktes – wir werden also Marktanteile hinzugewinnen.

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