Interview mit Jörg Schmetzer

Fuhrparkmanagement, Weck+Poller Spedition GmbH, Zwickau, Deutschland


Weck+Poller Spedition GmbH

• Unternehmensgründung: durch Fusion 2007 entstanden aus den ehemals eigenständigen Unternehmen Weck und Poller

• Unternehmenssitz: Zwickau

• Standorte: 6

• Mitarbeiterzahl: ca. 500 Fahrer, insg. ca. 800

• Fuhrpark: ziehende Einheiten ca. 375; ca. 500 Anhänger

• Leistungsspektrum: internationaler Fernverkehr und Nahverkehr; Automotive- und Lebensmittelbranche, Speditionsgüter, Sammelgut

• Homepage:
www.weckpluspoller.de

goodyear_lkw

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Definition der wichtigsten Zukunftsthemen: Kraftstoffkosten, Fahrermangel, verändertes Markt- und technisches Umfeld inkl. Kundenwünschen und die Auswirkungen von Regularien
Das sind auch aus meiner Sicht die relevantesten Zukunftsthemen. Gerade beim Kraftstoff gibt es noch einiges an Potenzial zu heben. Daher hat dieser Bereich Priorität.

Welche Rolle spielt das Thema Services dabei?
Services spielen nicht nur irgendeine Rolle dabei, sie sind von zentraler Bedeutung. Hier greift eins ins andere. Wenn beispielsweise ein guter Service erbracht wird, dann stellt dies eine enorme Unterstützung für den Fahrer dar. Ist dieser entlastet, dann erhöht dies die Produktivität, die Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber und insgesamt die Berufszufriedenheit. Dies spricht sich rum und das Thema Fahrermangel ist erfolgreich angegangen. Diese gedankliche Kette zeigt, wie die Themen miteinander in Verbindung stehen und welche Schlüsselfunktion den Services zukommt.

In Sachen Kosten spielen die Reifen eine wichtige Rolle bei der Kraftstoffreduzierung und durch die richtige Reifenwartung und insbesondere durch den richtigen Reifendruck erzielen wir enorme Einsparungen.

Es zählen aber auch die „weichen“ Faktoren: Wenn ein gepflegtes Fahrzeug zum Kunden kommt, dann macht das einen guten Eindruck und das ist sehr wichtig für das Image der Firma. Hierzu führen wir auch Schulungen bei den Fahrern durch. Angemessenes Auftreten, ordentliche Kleidung, die richtigen Ladungssicherungsmittel. Ohne all das hat meinen einen deutlich schlechteren Stand beim Kunden.

Service ist zudem ja auch ein sicherheitsrelevantes Thema, beispielsweise bei der Prävention von Unfällen. So ist der Goodyear-Außendienstmitarbeiter regelmäßig bei uns vor Ort und er steht auch bei Rückfragen stets zur Verfügung.

Aber auch im Notfall ist es wichtig, dass man dabei unterstützt wird, schnell weiterzukommen. Gerade im Hinblick auf die Kosten.


Welche Services nutzen Sie und weshalb?
Wir arbeiten sehr eng mit internen und externen Service-Anbietern zusammen, darunter befinden sich natürlich auch Hersteller und deren Netzwerke. Die Zusammenarbeit sowohl mit dem Reifenaußendienstmitarbeiter von Goodyear aber auch mit dem Reifenhändler ist sehr eng.

Wir nutzen dabei so weit wie möglich die Pausenzeiten der Fahrer für Reparaturen: Lkw werden mitunter unterwegs gewartet wenn die Fahrer Pause machen und im Hotel schlafen. Wenn Werkstätten eigene Zimmer in Partnerhotels anbieten ist das natürlich auch Bestandteil des Services.

Was sind wichtige Service-Kriterien?
Für uns ist die Flexibilität bei den Service-Partnern ganz besonders wichtig – zeitlich wie räumlich – und Services müssen einfach „laufen“. Wenn Services ein Mehr an Arbeit produzieren, dann stimmt etwas nicht. Das sind also die Grundvoraussetzungen.

Was Services jedoch wirklich unterscheidbar macht und zudem ein bedeutender Aspekt für die Zufriedenheit auf unserer Seite darstellt, das sind die zusätzlich angebotenen Services, also die „Service-Services“. Beispielsweise dass ein Pkw am Wochenende oder ein Ersatzfahrzeug gestellt wird. Hier haben wir bereits gute Erfahrung gesammelt. So steuern wir auch gezielt Werkstätten an, die unserem Fahrer einen Ruheraum anbieten. Wir legen großen Wert darauf, dass sich der Fahrer ausruhen kann bis es wieder weiter geht.

Welche Bedeutung werden Services zukünftig haben?
Zukünftig werden externe Services eine immer wichtigere Rolle für uns spielen, wir werden mehr extern vergeben müssen um mehr einsparen zu können. Beispielsweise wird der Unterwegs-Service zunehmen, damit wir unsere Fahrzeuge besser auslasten können. Hintergrund ist der Fahrermangel. Deshalb ist es auch wichtig, dass unsere Fahrer Werkstätten nahe ihrer Heimat aufsuchen können. Aus diesem Grund sind wir auch bestrebt, noch mehr geeignete Werkstätten zu identifizieren, insbesondere für eine kurzfristige Anmeldung. Diese klinken sich dann schon mal per Telematik aus der Ferne ein. Services auf lange Sicht werden natürlich vorab besprochen.

Maßnahmen zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs
Die Senkung des Kraftstoffverbrauchs ist eine wichtige Aufgabe und wir setzen hier zahlreiche Maßnahmen um: Begrenzung der Geschwindigkeit – 85 Stundenkilometer bringen rund zwei Liter pro 100 Kilometer und pro Fahrzeug – dann führen wir auch Eco-Fahrertrainings durch und verbaute Sicherheitssysteme wie der Abstandsregeltempomat und der Spurhalteassistent ermöglichen eine ruhigere Fahrweise und sparen auf diese Weise nachgewiesenermaßen Kraftstoff ein.

Wir setzen zudem auf Eco-Reifen wie den Goodyear FUELMAX mit dem wir eine hohe Haltbarkeit bei niedrigstem Verbrauch erzielen. Der Anschaffungspreis ist dabei sekundär.

Da wir in sehr unterschiedlichen topografischen Regionen unterwegs sind, ist eine Aussage zu unserem aktuellen Kraftstoffverbrauch schwierig. Im Jahr 2015 liegen wir bislang bei 29,1 Litern pro 100 Kilometer bei einem durchschnittlichen Gesamtgewicht von 25 Tonnen inklusive der bei uns vergleichsweise selten anfallenden Leerfahrten. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 70 Stundenkilometern.

Bei nahezu allen Maßnahmen spielen Services eine große Rolle für die Wartung.

Insgesamt besteht unser Ansatz darin, stets die neuesten Technologien, welche die Hersteller im Portfolio haben, auch verbauen zu lassen. Ein Beispiel hierfür ist Predictive Powertrain Control, kurz PPC. Das System schaltet zurück und bzw. oder erhöht die Geschwindigkeit, um das Schalten am Berg zu vermeiden. Außerdem sorgt PPC für eine optimierte Schaltreihenfolge. Mit diesem und weiteren hochmodernen Systemen und Komponenten ist unsere Flotte auf dem neuesten Stand der Technik und wir erzielen somit hervorragende Ergebnisse bei der Senkung des Kraftstoffverbrauchs.

Fahrermangel
Viele unserer Fahrer sind bereits länger als zehn Jahre bei uns tätig und in drei bis vier Jahren werden einige in Rente gehen. Wir versuchen daher, bestmögliche Arbeitsbedingungen zu schaffen. Unter anderem investieren wir hierfür bereits seit Längerem in die bestmögliche Ausstattung wie Spurhalte-, Abstand- und Notbremsassistenten.

Neben Schulungen bilden wir zudem auch selbst aus. Durchschnittlich haben wir zehn Azubis.

Darüber hinaus setzen wir auf Anzeigenschaltung und präsentieren uns auch auf Berufsausbildungsmessen.

Wir haben unseren Hauptsitz in Zwickau und verzeichnen daher einen guten Zulauf aus Tschechien – wir machen keinerlei Unterschiede in Sachen Nationalität. Alle unsere Fahrer verfügen über sehr gute Sprachkenntnisse, weshalb uns hieraus keine Mehrprobleme entstehen.

Für uns selbstverständlich ist eine pünktliche Bezahlung – in der Branche ist das leider nicht Standard.

Kundenwünsche
Gerade im Automotive-Bereich legen Kunden immer stärker Wert auf das papierlose arbeiten, was teilweise neue oder eine Erweiterung der IT-Systeme, d.h. insbesondere der Telematik, erforderlich macht. Der Fahrer ist hierdurch öfters mit Mehraufwand konfrontiert, beispielsweise wenn er jedes Packstück einzeln abscannen muss.

Des Weiteren wird zunehmend die exakte und automatische Lokalisierung der Ware erwartet.

Grundsätzlich legen Kunden Wert auf ein modernes und gepflegtes Equipment. Das ist zum einen eine Frage der Optik, aber auch der Sicherheit. Da wir mit zahlreichen Subunternehmern zusammenarbeiten müssen wir sicherstellen, dass diese Anforderungen erfüllt werden. Die Bedeutung des „guten Eindrucks“ kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Wir schulen unsere Fahrer aus diesem Grund gezielt im Kundenumgang.

Regularien
Bei unserer Unternehmensgröße sind die immer neuen regulatorischen Anforderungen machbar, hier verfügen wir ganz klar über einen Größenvorteil. Wir haben diesen Trend früh erkannt und in den Verwaltungsbereich investiert, u. a. in Telematikgeräte, Dispositionssoftware, Speditionssoftware sowie in Schnittstellen beider zueinander.

Der Aufwand ist besonders groß bei den Nachweisen wie beispielsweise beim Mindestlohn. Wir waren hierauf auf jeden Fall von Anfang an gut vorbereitet und haben mehrere zuständige Kräfte im Einsatz. Dennoch sollte der Gesetzgeber unbedingt nacharbeiten. Wir fordern weniger Aufwand bei der Nachweispflicht und der Dokumentation. Wir haben durch die digitalen Systeme doch ohnehin alles archiviert.

Einschätzung zur zukünftigen Bedeutung bahnbrechender Innovationen wie neuen Antriebstechnologien sowie dem Autonomen Fahren
Bei neuen Antriebstechnologien sieht man viele gute Ansätze aber im internationalen Fernverkehr kann man einfach nicht mit Gas fahren. Im Nahverkehr haben wir zwar bereits darüber nachgedacht, aber man muss noch das Gewichtsproblem lösen. Solange die Batterien so schwer sind, gibt es keine Alternative.

Mit Lang-Lkw – wir haben zwei in einem Feldversuch im Einsatz – haben wir bislang gute Erfahrungen gemacht. Wir fahren jeden Tag von Bremen nach Zwickau und zurück, mit einem Fahrertausch. Das lohnt sich rechnerisch und durch die 40 Tonnen Gesamtgewicht ist der Kraftstoffverbrauch ähnlich – jedoch bei 50 Prozent mehr Ladevolumen. Gerade bei Leichtgut lohnt sich das also. Der Feldversuch läuft noch bis Ende 2016 und sollte mit mehr Strecken weitergeführt werden. Wir würden es stark befürworten, wenn die Gesetzgebung zeitnah auf den Weg gebracht werden würde. In diesem Versuch haben wir einen kompletten konventionellen Lkw und damit auch einen Fahrer eingespart. Der Verbrauch beträgt nur rund zehn Prozent mehr, was nicht viel ist.

Erwartung der Geschäftslage 2015 / 2016 insgesamt
Bekanntermaßen wird der Güterverkehr zwar weiter zunehmen aber dennoch wird es immer schwieriger werden, sich auf dem Markt zu behaupten. Es gibt einfach sehr viele Anbieter. Die Herausforderung wird weiter bleiben, sich passende Nischen zu suchen – stets in Verbindung mit höchster Qualität. So bieten wir Lagerungsmöglichkeiten oder Just-in-Time-Lieferungen direkt ans Band.

Im Großen und Ganzen sehen wir uns solide und breit gefächert aufgestellt und sind guter Dinge, was die Zukunft anbelangt.

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