Interview mit Jörg Bräcklein

Geschäftsführer, Premio Reifen+Autoservice Roespel GmbH, Kesselsdorf, Deutschland


Premio Reifen+Autoservice Roespel GmbH

• Unternehmensgründung: 1979

• Seit wann für Goodyear tätig: ca. 25 Jahre

• Unternehmenssitz: Kesselsdorf

• Weitere Standorte: Freital

• Mitarbeiterzahl: 40

• Fuhrpark (Einsatzfahrzeuge): 6 große Lkw, 3 Transporter

• Leistungsspektrum: Reifenhändler und Reifenservice, Kfz-Service bis Transporter (3,5 Tonnen)

• Homepage:
www.reifen-roespel.de


Welche Services bieten Sie an?
Wir sind Partner des Premium-Servicenetzwerks TruckForce von Goodyear und bieten 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen in der Woche eine qualitativ hochwertige Pannenhilfe – und zwar für Reifen jedweder Größe, angefangen bei der Schubkarre. Wir montieren aber auch die wirklich großen Reifen von Off-the-Road-Fahrzeugen.

Des Weiteren sind wir Reifenhändler und bieten das komplette Sortiment.

Welche Rolle spielen Sie als Dienstleister angesichts der wichtigsten Zukunftsthemen: Kraftstoffkosten, Fahrermangel, veränderte Kundenwünsche und Auswirkungen von Regularien?
Unsere Rolle ist hierbei bestimmt recht signifikant. Die Bereifung hat bekanntermaßen einen großen Einfluss auf den Verbrauch und damit auf die Kraftstoffkosten. Unsere fachmännische Beratung bei der Reifenwahl – zum Beispiel welcher Reifentyp eingesetzt werden sollte und auf jeweils welcher Achse – macht einen enormen Unterschied.

Auch das Weiterleben, d. h. das Nachschneiden und Runderneuern des Reifens, ist ein komplexes Thema. Stichwort „Multi-Leben-Konzept“. Dabei spielt natürlich auch der Umwelt- und Rohstoffaspekt eine wichtige Rolle.

Der Reifen ist so wichtig, dass sich viele Spediteure eigentlich mehr Zeit dafür nehmen müssten, man kratzt aber leider oft nur an der Oberfläche. Fahrzeuge müssen von Anfang an richtig konfiguriert werden. Im Idealfall übernehmen wir als Experten dies.

Die Lkw-Hersteller setzen in der Erstausrüstung sehr häufig nur auf Standardreifen, die den Anforderungen jedoch nicht genügen. Mit nur ein wenig mehr finanziellem Einsatz könnte man oftmals eine deutlich bessere Reifenentscheidung treffen und hohe Folgekosten sparen. Gerade beim Kraftstoff gibt es großes Potenzial. Aber: die Zusammenarbeit zwischen uns und den Herstellern wird enger und das wird zukünftig noch stärker der Fall sein. Das ist eine sehr positive Entwicklung.

Mietvereinbarungen für Reifen inklusive Serviceleistungen sind bei Transporteuren gerne genutzte Wege, um die Reifenkosten am besten im Griff und im Blick zu behalten. Wir als Händler kümmern uns in diesem Modell wirklich so gut wie um alles.

Auch was den Fahrermangel angeht können Services einen positiven Beitrag leisten. Indem wir den Service erbringen, wenn das Fahrzeug ohnehin stehen muss – auch unterwegs – dann verliert der Fahrer keine wertvolle Arbeitszeit und zusätzliche Fahrer werden nicht gebraucht. Rund 80 Prozent unseres Servicegeschäfts erbringen wir außerhalb.

Was die Kunden betrifft ist es so, dass generell immer mehr auf unseren Straßen transportiert wird. Die Zeit wird dabei zum immer kritischeren Faktor. Wer zu spät kommt, der bezahlt teures Geld. Natürlich machen wir die Lkw unterwegs schnell wieder flott. Aber im optimalen Fall sollte das Ausfallrisiko von vornherein minimiert werden. Die richtige Bereifung und die Reifenwartung sind das A und O. Jedoch ist die Situation so, dass Fahrer das heute kaum mehr übernehmen können. Das Wissen fehlt. Hier entsteht oft mehr Schaden als Nutzen. Für diese Aufgabe einen guten Dienstleister zu beauftragen zahlt sich allemal aus.

Angesichts der zunehmenden Regulierungen müssen sich Transporteure um immer mehr kümmern. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass sie sich voll und ganz auf uns verlassen können. Wir wollen so viel Arbeit wie möglich abnehmen und entlasten. So muss der Transporteur beispielsweise keinen Mann aus seiner Werkstatt mehr losschicken, sondern wir erledigen das.


Welche Anforderungen werden von den Kunden an Sie als Dienstleister gestellt? Wohin geht hier die Entwicklung?
Grundsätzlich soll der Kunde uns so wenig wie möglich bemerken, wir arbeiten eher im Hintergrund und halten die Mobilität am Laufen. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind dabei die Basics.

Meiner Erfahrung nach ist eine Vertrauensbasis absolut unerlässlich für ein gutes Arbeitsverhältnis. Exzellente Service-Qualität hat zwar ihren Preis, aber sie zahlt sich in jedem Fall am Ende aus.

Ich denke, dass sich hieran zukünftig wenig ändern wird.

Was sind Ihre Leitlinien bei der Service-Erbringung?
Für uns steht der Kunde ganz klar im Vordergrund, wir orientieren uns an seinen Bedürfnissen.

Als Premiumdienstleister setzen wir auf Klasse und nicht auf Masse.

Welche Bedeutung werden Services zukünftig haben?
Meiner Einschätzung nach wird die Bedeutung von externen Services eher zunehmen. Neue Technologien machen immer mehr Expertenwissen erforderlich. Ein Beispiel hierfür sind Hohlachsen zur Gewichtseinsparung. Diese Fahrzeuge muss man ganz vorsichtig aufbocken, sonst kann hier ein hoher Schaden entstehend.

Einige Transporteure fokussieren sich sehr stark auf den Reifen, denn dieser ist einer der wenigen verbliebenen Bereiche, in denen man noch wirklich etwas bewegen kann. Meiner Ansicht nach sollte für sie jedoch stets das Kerngeschäft Transport nicht nur an erster, sondern auch an zweiter und dritter Stelle stehen. Wir sind die Reifenexperten und können diese Sorge am besten abnehmen.

Ein Beispiel: Schätzungsweise rund 50 Prozent der Unterwegspannen passieren, weil Transportunternehmen die Reifen selbst mit ihren eigenen Montagemaschinen beschädigt haben. Selbstmonteure haben mit Abstand am häufigsten Pannen.

Als ein Kunde aus dem Transportgewerbe neu zu uns kam, hatte dieser überdurchschnittlich viele Reifenpannen. Dies lag hauptsächlich an vergleichsweise banalen Mängeln wie überalteten Ventilen und verrosteten Felgen und vielem mehr. Grund hierfür waren zum Teil Wissenslücken der Mechaniker, aber unter Umständen auch mangelndes Interesse. Nachdem wir die Beratung übernommen hatten, lag die Ausfallszahl deutlich niedriger.

Außerdem ist das Thema Reifenluftdruckkontrollsysteme, RDKS, zunehmend wichtig, aber auch die Einlagerung von gebrauchten Reifensätzen sowie die Anpassung des Luftdrucks auf die tatsächliche Einsatzbedingung.

Welche Herausforderungen ergeben sich für Sie als Dienstleister angesichts der zukünftigen Bedeutung bahnbrechender Innovationen wie neuen Antriebstechnologien sowie dem Autonomen Fahren?
Da wird noch sehr viel auf uns zukommen und ich denke, wir werden zukünftig immer mehr gebraucht. Der Reifen wird zum immer erfolgskritischeren Faktor. Ein Beispiel hierfür ist die Einlagerung von Reifen: Wer die Reifen je nach Jahreszeit wechselt und dann richtig einlagert, kann – neben weiteren Vorteilen – die Laufzeit deutlich erhöhen und viel Geld sparen.

Neue digitale Technologien eröffnen völlig neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Die Fokussierung auf die Service-Exzellenz bleibt aber auch in Zukunft unsere Hauptaufgabe.

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