Interview mit Franz Koidl

Inhaber / Geschäftsführer, Koidl Transport GmbH, Mittersill, Österreich


Koidl Transport GmbH

• Unternehmensgründung: 1932

• Unternehmenssitz: Mittersill, Österreich

• Mitarbeiterzahl: 70

• Standorte: Slowakei

• Fuhrpark: 45 ziehende Einheiten, 60 Auflieger

• Leistungsspektrum: internationaler Fernverkehr mit Fokus auf Deutschland-Österreich-Italien

• Homepage:
www.koidl-trans.com

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Definition der wichtigsten Zukunftsthemen: Kraftstoffkosten, Fahrermangel, veränderte Kundenwünsche und die Auswirkungen von Regularien
Dem stimme ich zu, das ist genau richtig so.

Maßnahmen zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs
Die wichtigste Maßnahme besteht meiner Ansicht nach aus Fahrerschulungen, der Fahrer hat ca. 10 bis 15 Prozent Einfluss auf den Verbrauch. Hier muss man große Anstrengungen aufwenden, aber es lohnt sich. In unserem Unternehmen sind nur Fahrer aus der Slowakei beschäftigt, da wir dort eine Niederlassung betreiben. Durch einen Mitarbeiter vor Ort werden die Schulungen durchführt. Geschult wird direkt nach der Einstellung des Fahrers. Nach rund drei bis vier Monaten findet eine Auffrischung statt.

Darüber hinaus setzen wir auch bei der Technik an. Wir haben beispielsweise kraftstoffsparende Reifen wie den Goodyear FUELMAX im Einsatz. Verbrauchseffiziente Premiumreifen machen sich absolut bezahlt. Wir hatten auch testweise diverse No-Name-Produkte im Einsatz – mit sehr schlechten Ergebnissen. Andere Möglichkeiten wie zum Beispiel Spoiler sind heutzutage ja praktisch Standard. Mit Verkleidungen am Trailer sind unsere Fahrzeuge nicht ausgerüstet.

Unser Fuhrpark fährt seit 2008 zu 100 Prozent mit Biodiesel. Dieser ist in Österreich aufgrund der besseren Besteuerung günstiger als beispielsweise in Deutschland, was derzeit bei dem sinkenden Dieselpreis zu überdenken ist. Unter anderem aus diesem Grund kommen wir auf einen etwas höheren Durchschnittsverbrauch von rund 33 Litern auf 100 Kilometer, bei einem durchschnittlichen Ladungsgewicht von 20 Tonnen. Man muss zudem berücksichtigen, dass wir topografisch in einem Gebiet liegen, das es stets erforderlich macht Pässe überqueren zu müssen. Mit rund zehn Prozent Leerkilometeranteil liegen wir im Fernverkehr denke ich im Normalbereich.

Wir überlegen, auch die Höchstgeschwindigkeit wieder automatisch zu begrenzen. Es ist leider eine Herausforderung, die Fahrer vom Nutzen einer möglichst konstant niedrigen Geschwindigkeit zu überzeugen.

Mit Hilfe der Telematik erhalten wir wöchentlich Meldung darüber, wie sich die Fahrweise der einzelnen Fahrer darstellt. Hierzu zählen das Bremsverhalten, die Höchstgeschwindigkeit und der Verbrauch. Wenn ein Fahrer auffällig viel verbraucht, dann wird das besprochen.


Welche Services nutzen Sie und weshalb? Was erledigen Sie in-house, was extern?
In Sachen Services setzen wir auf einen Tankkarten-Anbieter, mit dem sämtliche Mauten per „postpay“-Verfahren abgerechnet werden. Benötigt der Fahrer Bargeld um zum Beispiel eine Strafe zu begleichen, stehen uns aufladbare Kreditkarten zur Verfügung.

Wir reparieren des Weiteren unsere Fahrzeuge zum Großteil selbst, bringen sie nur im Notfall in die Vertragswerkstatt.

Auch das Reifenmanagement erledigen wir in weiten Teilen „in-house“ – das ist fast eine Art Hobby von mir. Ich denke, ich habe das ganz gut im Griff und bin mit stattlichen 400 Reifen im Lager bestens ausgerüstet. Die Reifenhistorie wird von uns selbst dokumentiert und verwaltet. Bei Pannen auf der Strecke versuchen wir in erster Linie uns selbst zu helfen. Jeder von uns hat die Erfahrung mit Horrorpreisen im Notfall gemacht. Unser Ziel ist, Unterwegs-Reifenschäden im Voraus zu vermeiden, daher kontrollieren wir im Drei-Wochen-Turnus die Bereifung der Fahrzeuge. Damit verzeichnen wir unterwegs relativ wenige Schäden. Bei Rückfragen ist natürlich der Außendienstmitarbeiter von Goodyear stets zur Stelle – gute Erreichbarkeit sowie fundierte Beratung sind für mich zentrale Service-Aspekte, die ein Hersteller bieten muss.

Ein Service, den wir sehr intensiv nutzen, ist die Heißrunderneuerung von Reifen. Unsere Lkw sind beispielsweise mit dem Premium-Angebot TreadMax – Triebachse & Trailer – von Goodyear bereift. Unser Händler ist einmal pro Woche bei uns vor Ort und holt die Reifen ab. Das läuft so rund, dass man den hervorragenden Service gar nicht mehr registriert. Und der beste Service ist der, den man gar nicht bemerkt. Der Außendienstmitarbeiter von Goodyear begutachtet die Reifen dann beim Händler und prüft die Eignung für die Runderneuerung. Wir sprechen dabei von ca. 10 Reifen wöchentlich.

Beim Telematiksystem unterstützt uns ein externer Anbieter. Da gibt es kontinuierlich Neuerungen. Einmal pro Halbjahr setzen wir uns zusammen und besprechen, in welche Richtung wir zukünftig gehen wollen. Ein Beispiel ist der Mindestlohn in Deutschland, der ja einiges an Verwaltungsaufwand erforderlich macht. Die Einsatzzeiten in Deutschland ziehen wir nun aus dem System heraus, das klappt hervorragend. Wir haben derzeit ein einheitliches Telematiksystem in den Fahrzeugen im Einsatz. Der nächste Entwicklungsschritt wird sein, dass der Fahrer nach der Entladung über das Tablet den Ablieferbeleg direkt an die Abrechnungsabteilung schickt. Dadurch verkürzt sich die Zeit der Abrechnung um rund 20 Tage – denn unsere Fahrer kommen nur alle drei Wochen in die Zentrale. Sämtliche Ablieferbelege, Lieferscheine etc. werden schon jetzt gescannt – abgerechnet wird zu 80 Prozent per E-Mail Rechnung; dies akzeptziert leider nicht jeder Kunde.

Auch das Dispositionsprogramm und der begleitende Service stammen von einem externen Unternehmen. Hier geht man ebenfalls flexibel auf unsere Anforderungen ein. Die Ladeaufträge werden direkt vom Dispoprogramm ins Fahrzeug auf das Tablet gesendet!

Was sind wichtige Service-Kriterien?
Für uns kommt es ganz simpel darauf an, dass der Service ohne Probleme vonstattengeht. Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Qualität sind selbstverständlich. Und genau so läuft es glücklicherweise bei uns, beispielsweise bei den Reifen. Der Außendienstmitarbeiter von Goodyear ist stets erreichbar und er kümmert sich wirklich intensiv darum, uns optimal zu bedienen. Wir sind hier sehr zufrieden.

Was heutzutage oftmals vergessen wird – und das ist bei Goodyear zum Glück nicht der Fall, ist, dass es sehr auf den menschlichen Faktor ankommt. Dies ist die Grundbasis der Zusammenarbeit, hier beginnt die Geschäftsbeziehung und sie endet hier auch fallweise. Es ist einfach eine Tatsache, dass man im persönlichen Gespräch viel lösen kann. Das Geschäftsleben ist auch ein bisschen wie das Familienleben, es muss harmonieren. Wenn mir ein Anbieter nicht sympathisch ist, dann ist eine Zusammenarbeit höchst unwahrscheinlich. Bei uns klingelt ja kein Herr „Goodyear“ oder „Daimler“ an der Türe, sondern es ist der Außendienstmitarbeiter des Konzerns. Das persönliche Verhältnis kann schon das Zünglein an der Waage sein.

Welche Bedeutung werden Services zukünftig haben?
Wir werden zukünftig automatisch verstärkt auf externe Services zurückgreifen müssen, denn unsere neuen Fahrzeuge laufen unter drei Jahren Vollgarantie beim Hersteller.

Fahrermangel
Es ist leider eine Tatsache, dass es die Fahrer in ihrem Arbeitsalltag nicht leicht haben. Die Vorgaben sind eng und die Anforderungen hoch. Der Umgang mit ihnen, beispielsweise an der Rampe, ist nicht immer der beste. Am Morgen bei der Abladestelle „schnauzt“ ihn der Lagerarbeiter an; auf der Fahrt zur Ladestelle gerät er in eine Polizeikontrolle; der Disponent ruft ihn an und möchte wissen, weshalb er noch nicht bei der Ladestelle ist; an der Ladestelle bekommt er zu hören: „wieso bist du jetzt erst da“; und zu guter Letzt findet er dann keinen Parkplatz für die Ruhezeit! Die gesamte Gesellschaft honoriert die Leistung meiner Ansicht nach unzureichend. Wir müssen froh sein, dass wir die Fahrer aus Osteuropa haben, denn sonst würden sehr viele Fahrzeuge nicht besetzt werden können. Wer einmal einen Blick in deutsche Lkw-Fahrerhäuser wirft, der wird hauptsächlich Fahrer über 50 Jahren sehen. Wenn diese in Rente gehen, wird der Bedarf noch weiter steigen, denn es kommt sehr wenig Fahrpersonal nach.

Unsere Fahrer stammen aus der Slowakei und wir haben auch die Zugmaschinen dort angemeldet. Wir hatten dort eine Zeit lang einen Überfluss an Fahrern, dann wurde es selbst hier zunehmend schwieriger. Es kamen einfach zu wenig neue Fahrer nach. Und unsere Stammfahrer wurden von deutschen und Schweizer Unternehmen abgeworben. Mittlerweile ist die Situation zumindest bei uns wieder entspannter.

Wir haben im Mai dieses Jahres ein Pilotprojekt gestartet, um uns hier besser aufzustellen: Unsere älteren Fahrer akquirieren dabei ihre Geschwister, Söhne oder Freunde und – wenn ein Lkw-Führerschein vorhanden ist – lassen diese bei sich rund drei Monate lang mitfahren. Das ist eine vorzügliche Ausbildung, um die Anforderungen sowie die Prozesse kennenzulernen.

Kundenwünsche
Bei unseren Kunden sehe ich „derzeit“ keine Tendenzen, dass versucht wird, großartig am Preis zu schrauben.

Es werden natürlich gewisse sachbezogene Anforderungen an uns gestellt, beispielsweise wenn eine bestimmte Art von Trailern erwartet wird. Dem muss man nachkommen, sonst wird es mit der Beauftragung nichts, das hält sich aber im Rahmen.

Die Rampenprobleme sind seit Jahren dieselben, hier sehe ich keine Veränderungen ins Haus stehen. Insgesamt haben wir hier keine größeren Probleme zu meistern, das lässt sich alles im vernünftigen Gespräch lösen.

Regularien
Die Regularien sind wirklich ein großes Aufregerthema für uns – in zunehmendem Maße. Sie stellen praktisch die größte Hürde im Alltagsbetrieb für uns dar. Das könnte so manchen in der Branche zum „zusperren“ bewegen. Alleine den ganzen Anforderungen um ein Fahrzeug auf die Straße bringen zu können, gerecht zu werden, ist eine Herkulesaufgabe, die viel Zeit und Mühen kostet. Man denke an die verschiedenen Mautboxen für Europa in den unterschiedlichsten Ländern oder die diversen Zertifikate, die auch laufend verlängert werden müssen. Außerdem gibt es ja die „Umweltpickerl“ für Deutschland jetzt auch noch für den Raum Wien – das bedeutet zig Anlaufstellen und Verwaltungsaufwand. Man kommt vom Hundertsten ins Tausendste und die Checkliste nimmt kein Ende. Das wird in Zukunft sicher mehr als weniger werden. Wir wenden heute bereits mindestens die halbe Zeit auf, irgendwelche Regularien zu erfüllen. Dies gilt insbesondere für die Mitarbeiter im Bereich Disposition. Die halbe Zeit wird verwendet, den Fahrer zu disponieren um die vorgeschriebenen Lenk-und Ruhezeiten einzuhalten und dabei die Termine halten zu können. Erschwert wird das Ganze für uns noch durch das Nachtfahrverbot und ab Herbst 2015 in Kraft tretende sektorale Fahrverbot im Transit durch Tirol!

Einschätzung zur zukünftigen Bedeutung bahnbrechender Innovationen wie neuen Antriebstechnologien sowie dem Autonomen Fahren
Alternative Antriebe sind auf jeden Fall ein Thema, aber was den Elektroantrieb angeht, da bin ich skeptisch, vor allen in Sachen Akku und dessen Gewicht. Mit den EURO 6-Motoren hat man die Abgase ja bereits gut im Griff. Der Durchschnittsverbrauch im Vergleich zum Pkw ist ja auch sensationell. Derzeit kann ich mir nicht vorstellen, dass der Elektromotor in absehbarer Zeit eine größere Rolle spielen wird – man hat ja selbst bei den Pkw noch keinen wirklichen Durchbruch erreicht. Aber wer weiß, was noch in den Schubladen der Entwickler schlummert.

Ich könnte mir hingegen vorstellen, dass das autonome Fahren auf bestimmten Strecken, beispielsweise definierten Autobahnabschnitten, funktionieren kann.

Erwartung der Geschäftslage 2015 / 2016
Ich sage: guter Dinge sollte man immer sein. Gerade im Nahverkehr werden lokale Unternehmer immer ihr Auskommen finden. Bei uns im Fernverkehr gibt es eine klare Dominanz der ganz großen Unternehmen. Mittelständler wie wir müssen sich eine passende Nische suchen. Persönliche Kontakte und ein erstklassiges Angebot sind dabei das A und O.

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