Interview mit Michael Mlynarczyk

Gesellschafter-Geschäftsführer, MMK Frachtdienste GmbH, Unna, Deutschland


MMK Frachtdienste GmbH

• Unternehmensgründung: 1996

• Unternehmenssitz: Unna

• Standorte: 2 (Hauptsitz: Unna, Cargocenter: Dortmund Flughafen)

• Mitarbeiterzahl: 36 (fest angestellte Mitarbeiter)

• Fuhrpark (Flottenzusammensetzung+Größe): 22 Sprinter + Caddys, 6 Pkw, 1 Lkw (+ mehrere Subunternehmer)

• Schwerpunkte des Geschäfts: klassischer KEP-Dienst im Nahverkehr, Linienverkehr im Fernbereich

• Homepage:
www.mmk-frachtdienste.de

MMK LKW


Was sind aus Ihrer Sicht heute und in den nächsten fünf Jahren die wichtigen zukunftsrelevanten Themen der Nfz-Branche und aus welchen Gründen?
Alle in den bisherigen Driving Ahead Runden diskutierten Themen sind nach wie vor relevant. Wir als KEP-Unternehmen kämpfen mit den Herausforderungen, die das schnelle Wachstum dieses Bereichs mit sich gebracht hat. Dazu gehören Einfahrtsbeschränkungen, unzureichende Parkmöglichkeiten, oft auch eine geringe Akzeptanz unserer Dienstleistung durch Verkehrsteilnehmer und Anwohner sowie die mangelnde Unterstützung durch die Kommunen.

Auch der Fahrermangel treibt uns seit vielen Jahren um. Heutzutage müssen sich Fahrer mit Fahrzeugtechnik auskennen, digitale Geräte gezielt einsetzen, Ladungssicherung beherrschen und Gefahrgutvorschriften kennen. Durch diese gestiegenen Anforderungen sind sie zu Fachkräften geworden, die bestens qualifiziert und angemessen bezahlt sein sollten.

Wie gehen Sie mit diesen Themen in Ihrem Unternehmen um, welche Maßnahmen haben Sie ergriffen bzw. planen Sie zu ergreifen?
Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Wir bilden unsere Mitarbeiter selbst aus und führen Schulungen, zum Beispiel zu Themen wie Ladungssicherung oder Gefahrguttransport durch. Zur Ressourcenschonung und Senkung der Kraftstoffkosten helfen Fahrertrainings. So konnten wir den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch unserer Sprinter von 13 auf 8 Liter pro 100 Kilometer senken.

Um die Probleme der letzten Meile in der Innenstadt zu lösen, sind wir unter anderem Mitglied beim „Runden Tisch der KEP-Unternehmen in Dortmund“ der IHK. Wir haben erreicht, dass wir Zustellflächen für unsere Zustellfahrzeuge bekommen haben, leider nur deutlich zu wenig.

„Die letzte Meile“. Für wie bedeutsam halten Sie das Thema heute und in naher Zukunft?
Die KEP-Branche wächst immens, deshalb nimmt die Bedeutung der letzten Meile weiter zu – für alle Beteiligten. Und dazu gehören auch die Warenempfänger, seien es Privatpersonen, Handel oder andere gewerbliche Unternehmen, genauso wie Kommunen und Fahrzeughersteller bzw. -zulieferer. Hier appelliere ich an alle Betroffenen, Lösungen für die Probleme der letzten Meile zu finden– am besten gemeinsam! Gerade die Kommunen und der Handel weisen diese Problematik oft von sich. Dies ist aber nicht so. Die Warenannahmezeiten müssen aktualisiert und angepasst werden. Und Warum bekommen Taxis Stellflächen, die ganztägig zugeparkt werden, und wir nur Flächen für wenige Minuten?

Worin liegen Ihrer Meinung nach die Herausforderungen des urbanen Gütertransports im Allgemeinen und in der direkten Anlieferung zum Kunden im Speziellen?
Die größte Herausforderung in unserem täglichen Geschäft ist die Belieferung des Einzelhandels in der Fußgängerzone. Hier bleibt uns oft nur ein Zeitfenster von 30 Minuten zwischen Ladenöffnung und Ende der erlaubten Einfahrtzeit. Auch Haltemöglichkeiten auf den regulären Straßen sind nicht vorhanden. Unsere Fahrzeuge müssen immer wieder in zweiter Reihe auf der Fahrbahn parken und in Kauf nehmen, den fließenden Verkehr zu behindern.

Wie schätzen sie das Thema terminierter Versand respektive Anwesenheit des Kunden bei Lieferung ein?
Zahlreiche Paketdienste bieten einen solchen Service an: Der Kunde bekommt kurz vor der Lieferung eine E-Mail mit dem voraussichtlichen Lieferzeitraum. Trotzdem klappt das nicht wirklich gut; häufig ist der Empfänger dann doch nicht da. Ich spreche hier vom Privatkunden. Bei Unternehmen, mit denen wir Vereinbarungen zu bestimmten Lieferzeiten treffen, klappt das meistens.

Welche Lösungskonzepte sehen Sie dafür?
Dass wir Kunden nicht zur vereinbarten Zeit antreffen, erleben wir täglich. Dann greifen bekannte Lösungswege: Wir bringen das Paket zum Paketshop, geben es beim Nachbarn ab oder starten einen zweiten Zustellversuch am nächsten Tag.

Wie gehen Sie das Thema „letzte Meile an?
Unser wichtigstes „Gut“ ist der Mensch. Nur mit ausgebildetem Personal und entsprechender Bezahlung können wir die Herausforderungen der letzten Meile meistern. Deshalb bilden wir unsere Mitarbeiter in den Berufen „Fachkraft für KEP-Dienstleistungen“, „Servicefahrer“ und „Berufskraftfahrer“ selbst aus. Zudem verfügen wir über einen ausreichend großen Pool an Mitarbeitern, um zum Beispiel vorweihnachtliche Auftragsspitzen abzudecken.

Wo es sinnvoll ist, setzen wir auf neue Zustellformen. So testen wir derzeit in einem bestimmten Gebiet in der Stadt Unna den Einsatz von Lastenfahrrädern.

Hier auch noch einmal mein genereller Appell: Die Bereitschaft für ein Paket etwas zu bezahlen muss einfach höher werden. Allein der Vorteil, den die Post gegenüber uns Privaten hat, weil sie keine Mehrwertsteuer berechnet, würde hier schon viel ausmachen.

Wie schätzen Sie alternative Zustellfahrzeuge wie Drohnen, Roboter oder Lastenfahrräder ein?
Die Präsenz des Zustellfahrers, sein Kontakt zum Kunden, aber auch die persönliche Verantwortung für seine Ladung und deren Sicherung ist durch kein autonomes Fahrzeug und keinen Roboter zu ersetzen. Mein Wunsch ist deshalb, dass mehr in Aus- und Weiterbildung sowie eine angemessene Bezahlung der Menschen investiert wird als in die Erforschung von Technologien, welche möglicherweise für immer Zukunftsmusik bleiben.

Auch für ein Lastenfahrrad finde ich nur schwer Personal. Zudem ist es in Innenstädten kaum praktikabel. Bei stärkerer Tretunterstützung durch einen Elektromotor handelt es sich rechtlich gesehen um ein Kleinkraftrad. Dann gelten die vielen Vorteile wie das Benutzen von Gehwegen oder Einbahnstraßen nicht mehr. Deshalb werden auch Lastenfahrräder eine Nischenlösung bleiben, ebenso wie Drohnen. Diese eignen sich, so denke ich, eher für weniger besiedelte Gebiete.

Welchen Stellenwert haben für Sie in diesem Zusammenhang alternative Antriebe, das autonome Fahren und Elektromobilität?
Für unsere Kurzstreckenfahrten sind Elektroantriebe absolut interessant. Allein, es wird im Moment noch kein Serienfahrzeug in der Sprinterklasse angeboten. Auch die Infrastruktur zum Laden der Elektrofahrzeuge ist noch nicht vorhanden. Und wirklich umweltfreundlich wird diese Technologie erst, wenn der Strom dafür aus erneuerbaren Energien gewonnen werden kann.

Welche Erwartungen haben Sie an die Politik und die Kommunen sowie an Fahrzeughersteller und Zulieferer, um den Zukunftsthemen gerecht zu werden?
Besonders von den Kommunen erwarte ich mehr Verständnis für unsere Arbeit. Im Moment gibt es keine Alternative zur Belieferung mit Sprintern. Hätten wir hier mehr Freiraum, zum Beispiel ein zweites Zeitfenster am Nachmittag, um in Fußgängerzonen einzufahren, oder ausgewiesene Haltplätze für unsere Fahrzeuge, wäre uns sehr geholfen. Zentrale Umschlagplätze, von denen aus die Ware via Lastenfahrrädern weitertransportiert wird, könnten hier ebenfalls helfen.

Zudem wünsche ich mir mehr Wertschätzung aller Beteiligten für die Arbeit der Zustellfahrer. Sie bringen ja schließlich die Ware, die sie bestellt haben oder im Einzelhandel kaufen möchten.

Wie ist Ihre Erwartung für die Geschäftslage 2017/2018?
Der Entwicklungsschub der KEP-Branche wird meines Erachtens noch weiter zunehmen. Unser Unternehmen wird kontinuierlich mit wachsen, aber in einem wohl dosierten Tempo.

Nächstes Interview

goodyear_lkw

goodyear_lkw

Hinterlassen Sie einen Kommentar