Interview mit Rüdiger Elflein

Geschäftsführer, Elflein Spedition & Transport GmbH, Bamberg, Deutschland


Elflein Spedition & Transport GmbH

• Unternehmensgründung: 1932

• Unternehmenssitz: Bamberg

• Mitarbeiterzahl: 970

• Standorte: 11

• Fuhrpark: 405 Zugmaschinen, 550 Anhänger + Auflieger

• Schwerpunkt des Geschäfts: Automobil, Papier, Lebensmittel

• Homepage:
www.elflein.de

Elflein


Was sind aus Ihrer Sicht heute und in den nächsten fünf Jahren die wichtigen zukunftsrelevanten Themen der Nfz-Branche und aus welchen Gründen?
Kraftstoffkosten, veränderte Kundenwünsche und Regularien sind schon seit Jahren wichtige Themen, sie sind aber auch beherrschbar. Der Fahrermangel hingegen wird uns noch länger beschäftigen. Einer der Haupttreiber ist dabei die Europäisierung des Güterverkehrs. Der Mindestlohn ist für einen Fahrer, der in Deutschland lebt, nicht attraktiv, für einen Fahrer aus osteuropäischen Ländern ist es jedoch ein guter Verdienst. Durch diese Situation schafft es die Branche leider nicht, die Transportkosten so weit anzugleichen, dass sie inländische Fahrer entsprechend ihrer Qualifikation entlohnen kann.

Das bedeutendste Zukunftsthema für die Transportbranche in den nächsten 5 bis 10 Jahren ist jedoch die Erreichung der CO2-Emmissionsziele, die in den UN-Klimakonferenzen festgelegt wurden. Maßnahmen wie die Abgasnormen Euro V, Euro VI oder kleinere Veränderungen an den Fahrzeugen werden meiner Meinung nach nicht ausreichen, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Hier kommen schon in Kürze massive Neuerungen auf uns zu, zum Beispiel elektrische Antriebe oder Hybridfahrzeuge.

Wie gehen Sie mit diesen Themen in Ihrem Unternehmen um, welche Maßnahmen haben Sie ergriffen bzw. planen Sie zu ergreifen?
Wir haben wo immer möglich die Fahrzeugtechnik optimiert, drosseln die Geschwindigkeit der Fahrzeuge, verwenden einen möglichst hohen Anteil an Euro VI-Motoren, bauen Spoiler an und fahren 2-Achser statt 3-Achser, wenn es das Ladungsgewicht erlaubt.

Zudem engagieren wir uns in Zukunfts- und Forschungsprojekten. So setzen wir derzeit 23 Lang-Lkw ein, die rund 15 bis 20 Prozent Ressourcen einsparen und damit zur Senkung von Kraftstoffverbrauch und Emissionen beitragen. Und wir haben uns kürzlich über ein Projekt informiert, bei dem die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs auf bestimmten Strecken getestet wird. Eine sehr spannende Sache!


Für wie bedeutsam halten Sie die Ressourcenschonung für die Transportbranche heute und in naher Zukunft?
Wir alle – sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen – sind gefordert, mit den endlichen Ressourcen verantwortungsvoll umzugehen. Als Transportunternehmen kalkulieren wir rund 30 bis 40 Prozent der Ausgaben für Ressourcen wie Kraftstoff, Reifen und die Versicherung gegen Schäden. Natürlich zählen auch wirtschaftliche Aspekte, aufgrund derer wir Einsparungen erzielen wollen.

Welche Möglichkeit sehen Sie in Ihrem Unternehmen, durch die Auswahl der richtigen Produkte und Lösungen Ressourcen zu schonen und welche Vorteile könnte dies für Sie bringen?
Neben unserer Verantwortung, die Umwelt zu schonen, bringt uns jegliche Einsparung von Ressourcen natürlich auch eine Kosteneinsparung. Und besonders innovative zukunftsgerichtete Maßnahmen wecken das Interesse unserer Kunden. Man wird aufmerksam, schaut, was wir da machen – ein Imagefaktor also! Das alles erhält unsere Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft.

Wie groß ist in diesem Zusammenhang für Sie die Bedeutung der Reifen?
Bei der Auswahl der Reifen achten wir auf die Energieeffizienzklasse und einen guten Mix aus Langlebigkeit und niedrigem Rollwiderstand. Besonders in Pflege und Wartung haben wir aber noch Optimierungspotential. Eine regelmäßige – vielleicht auch automatisierte – Reifendrucküberwachung würde uns sicher helfen, weitere Kraftstoffeinsparungen zu erzielen.

Verwenden Sie vor diesem Hintergrund auch runderneuerte Reifen? Begründen Sie Ihre Entscheidung für oder gegen runderneuerte Reifen.
Wir nutzen sie aus Gründen der Ressourcenschonung sowie auf Basis der attraktiven Konditionen. Die Karkasse kann ja wiederverwendet werden und der Reifen bekommt damit ein zweites Leben.

Welche Erwartungen haben Sie an die Politik, an Fahrzeughersteller sowie an Zulieferer, um den Zukunftsthemen gerecht zu werden? Welche Rolle spielen für Sie z.B. Programme wie De-Minimis?
Wünschenswert wäre es, wenn kurzfristig gesehen alle Beteiligten gemeinsam an integrierten Konzepten zur Gesamtoptimierung aus Zugmaschine, Auflieger und Reifen arbeiten. Der zweite Schritt ist die Hybridisierung von Fahrzeugen sowie der E-Lkw-Verkehr.

Wir nutzen Förderprogramme wie de Minimis. Allerdings treffen wir unsere Investitionsentscheidungen nicht danach, ob wir einen Zuschuss erhalten oder nicht. Hier spielen viele andere Faktoren eine Rolle, die ich vorher schon genannt habe.

Wie ist Ihre Erwartung für die Geschäftslage 2016/2017?
Ich sehe für die nächsten zwei Jahre gute Aussichten.

Vielen Dank für das Gespräch!

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