Interview mit Hans Meier

Disponent & Lagerist, Fattorini Autotrasporti Sagl, Novazzano, Schweiz


Fattorini Autotrasporti Sagl

• Unternehmensgründung: 1944

• Unternehmenssitz: Novazzano

• Mitarbeiterzahl: 95

• Fuhrpark: 27 Schlepper, 11 Hängerzüge, 12 Motorwagen

• Leistungsspektrum: Sammelgut (Kleinsendungen), internationale Transporte Schweiz-Italien und umgekehrt

• Homepage: www.fattorini.ch/de/

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Definition der wichtigsten Zukunftsthemen: Kraftstoffkosten, Fahrermangel, veränderte Kundenwünsche und die Auswirkungen von Regularien
Ja absolut, exakt dies sind die relevanten Themen, welche die Zukunft der Transportbranche auch in der Schweiz maßgeblich bestimmen werden.

Maßnahmen zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs
Der Kraftstoff ist wie bei den anderen auch ein signifikanter Kostenfaktor und macht zwischen 25 und 30 Prozent der variablen Kosten bei uns aus. Unser Durchschnittsverbrauch liegt bei rund 30 Litern pro 100 Kilometer. Den Verbrauch zu senken ist ein wichtiges Ziel bei uns.

Wir haben unterschiedliche Maßnahmen zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs bei uns implementiert. Dazu zählt, dass unsere Flotte ausschließlich aus EURO 5 oder EURO 6-Fahrzeugen besteht. Die Höchstgeschwindigkeit ist ohnehin werksseitig bei ca. 85 bis 86 Stundenkilometer begrenzt, das bringt bereits einiges.

Die wichtigste Maßnahme sind aber zweifelsohne Schulungen der Lkw-Fahrer. Selbst das modernste Fahrzeug bringt nichts, wenn der Fahrer es nicht entsprechend kraftstoffsparend fährt. Wir nutzen hierfür angebotene Kurse. Jeder Fahrer nimmt hier ein Mal pro Jahr teil. Bei so manchem Fahrer merkt man tatsächlich einen gravierenden Unterschied im Fahrstil – jedoch bei anderen auch fast gar keinen, was natürlich sehr ernüchternd ist. Das Problem ist eine überkommene Grundeinstellung: Viele Fahrer wollen den Motor hören. Das ist bei geschätzt der Hälfte unserer Fahrer der Fall und wir müssen hier noch viel Aufklärungsarbeit leisten.

Auch per Telematik und Satellitenüberwachung wollen wir zukünftig schauen, wie wir beim Kraftstoff weitere Reduzierungen möglich machen können. Daran arbeiten wir derzeit intensiv. Bislang prüfen wir natürlich bereits die Tankquittungen und die entsprechenden Fahrtenbücher – die Ladung spielt beim Verbrauch natürlich eine bedeutende Rolle, man darf hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Eine große Rolle spielen verbrauchseffiziente Reifen, hier können wir ein enormes Potenzial bei der Einsparung erzielen. Wir setzen dabei auf den Goodyear FUELMAX und sind vom Ergebnis begeistert.


Fahrermangel
Da wir im Tessin ansässig sind, profitieren wir vom Grenzgängerpotenzial – es mangelt uns also nicht an Fahrern. Aber: es mangelt uns an wirklich guten Fahrern. Wir picken uns die besten heraus indem wir jedem, der ausreichende Qualifikationen vorweisen kann, für rund eine Woche testen.

Die Verweildauer unserer Fahrer im Unternehmen ist ausgesprochen lang. Sie liegt bei rund 18 Jahren. Das heißt, wenn wir einmal die richtigen Fahrer gefunden haben, dann halten wir sie lange. Daher müssen wir nicht mehr viel Werbung machen.

Kundenwünsche
Wir stellen fest, dass die Kunden immer mehr verlangen aber weniger dafür bezahlen wollen. Die übertriebenen Wünsche der Kunden äußern sich beispielsweise darin, dass sie erwarten, dass unsere Fahrer die Waren unbezahlt bis in den dritten Stock liefern. Außerdem nehmen sie an, dass wir in kürzester Zeit überall vor Ort sein können. Sie machen uns auch mitunter extreme Kleidervorschriften und wünschen sich zum Beispiel bestimmte Farben. Der Fantasie der Kunden scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein.

Was die Bezahlung angeht, hierfür sehe ich die Schuld bei Frau Merkel. Sie ist dafür verantwortlich, dass es durch die billigen Arbeitskräfte in Deutschland immer schwieriger für Schweizer Unternehmen wird, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Regularien
Regularien auf allen Ebenen machen uns immer mehr zu schaffen. Nagelneue Fahrzeuge teuer und zeitaufwändig überprüfen lassen zu müssen ist einer dieser Irrsinne. Das Problem ist schlichtweg: Die Politiker kennen sich nicht richtig aus in der Branche, sie schießen deutlich am Ziel vorbei.

Einschätzung zur zukünftigen Bedeutung bahnbrechender Innovationen wie neuen Antriebstechnologien sowie dem Autonomen Fahren
Ich bin der Ansicht, dass die Petrolwirtschaft neue Antriebsformen nicht zulassen und sich mit ihrer großen Macht dagegen stemmen wird. Hybrid- und Elektromotoren gibt es doch seit jeher. Eine substanzielle Entwicklung in diese Richtung wird noch mindestens 20 Jahre dauern, eher sogar noch deutlich länger.

Auch das autonome Fahren sehe ich nicht vor dem Durchbruch. Sonst könnte man doch auch stärker auf die Bahn setzen. Das ist meiner Meinung nach eher Science Fiction. Was auch immer daraus werden wird, ich lasse das einfach auf mich zukommen. In nächster Zeit wird hier jedenfalls nichts von Bedeutung passieren, da bin ich sicher.

Erwartung der Geschäftslage 2015 / 2016
Ich denke, dass ein noch größerer Einbruch kaum mehr möglich ist. Nach Griechenland kommen Portugal und Spanien und selbst der Engländer steht auf der Kippe. Ich denke, wirklich besser wird es nicht aber viel schlimmer kann es auch nicht mehr werden. Die ganz großen Betriebe prosperieren immer, aber mittlere wie wir müssen stets kämpfen.

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