Interview mit Hans Ludwig

Geschäftsführer, Ludwig Speditions- und Handelsgesellschaft mbH, Dreis-Brück, Deutschland


Ludwig Speditions- und Handelsgesellschaft mbH

• Unternehmensgründung: 1963

• Unternehmenssitz: Dreis-Brück

• Mitarbeiterzahl: 102

• Standorte: 2

• Fuhrpark: 53 Lkw (18 Gliederzüge, 9 Kühlfahrzeuge, 4 Schwerlast-Jumbofahrzeuge, 22 normale Sattelzüge)

• Leistungsspektrum: Güternah- und Fernverkehr (Fokus auf Fernverkehr), Teil- und Komplettladungen, Stückgut (Kaufhausgüter, Stahlwaren, Getränke, PET-Flaschen)

• Homepage:
www.spedition-ludwig.de

goodyear_lkw


Definition der wichtigsten Zukunftsthemen: Kraftstoffkosten, Fahrermangel, veränderte Kundenwünsche und die Auswirkungen von Regularien
Hier stimme ich ganz klar zu, das deckt in der Tat die wichtigsten Determinanten für die Zukunftsszenarien ab. Allen voran werden die Themen Kraftstoffreduzierung und Fahrermangel auch zukünftig im Fokus stehen.

Maßnahmen zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs
Wir stellen fest, dass dieses Thema in der Branche immer weiter an Relevanz hinzugewinnt. Und das aus gutem Grund. Der Verbrauch ist ein bedeutender Kostenfaktor – der zweitgrößte nach den Löhnen – und hat damit eine große Auswirkung auf die Wettbewerbsfähigkeit. Er beträgt bei uns rund 30 Prozent der variablen Kosten. Derzeit liegt unser Verbrauch im Durchschnitt bei 32 bis 33 Litern pro 100 Kilometer.

Auch wir sind daher sehr aktiv dabei, den Kraftstoffverbrauch unserer Flotte zu senken. Derzeit tauschen wir unsere Fahrzeuge in Richtung Euro 6 aus und liegen aktuell bei rund einem Drittel, die bereits auf dem neuesten Stand der Technik sind. Keines unserer Fahrzeuge fährt unter Euro 5

Unsere Werkstatt prüft die Luftdrücke der Reifen in kürzesten Intervallen und dies auch noch genauer als früher. Momentan messen wir noch auf herkömmliche Weise, jedoch schielen wir bereits auf den Einsatz von Reifendruckkontrollsystemen. Außerdem testen wir neue Telematiksysteme, um den Verbrauch in Zukunft besser evaluieren zu können.

Überdies haben wir die Höchstgeschwindigkeit für die Fahrer bei 84 Stundenkilometern festgesetzt.

Die Fahrer richtig zu sensibilisieren und Verbräuche mit ihnen durchzusprechen spielt insgesamt eine sehr große Rolle. Wir tun das im Detail circa einmal im Monat. So häufig werten wir die Verbräuche aus. Wir setzen natürlich auch auf entsprechende Fahrerschulungen.

Des Weiteren stellen wir unser Reifenprogramm – dort wo es Sinn macht – ganz gezielt auf verbrauchseffiziente Reifen um. Konkret handelt es sich dabei um den Goodyear FUELMAX, mit dem wir bisher hervorragende Erfahrungen gesammelt haben.

Die angeregte Diskussion im Rahmen des Goodyear Zukunftsforums Driving Ahead auf dem Nürburgring hat mich darin bestärkt, uns noch ambitioniertere Ziele zu setzen. Wir wollen die Kraftstoffkosten nun zeitnah um zehn Prozent senken. Eine extreme Reduzierung halte ich aktuell nicht für möglich – beispielsweise auf 26 Liter – aber rund 29 bis 30 Liter sind bestimmt drin. Insofern hat der Austausch bei Driving Ahead sehr gefruchtet. Um dieses Ziel zu erreichen, legen wir bei allen laufenden Maßnahmen noch eine Schippe drauf. Neben der Luftfruckmessung wollen wir zudem auch den Lebenszyklus des Reifens besser verfolgen. D.h. insgesamt ist es unser Ziel, ein Mehr an Daten zu erheben um an mehreren Stellhebeln, vor allem zum richtigen Zeitpunkt, ansetzen zu können. Die Idee der Branchenkollegen, Fahrer am Erfolg zu beteiligen, könnte auch ich mir für unseren Betrieb gut vorstellen. Die Driving Ahead Diskussion hat mein Interesse in Sachen Kraftstoffreduzierung auf jeden Fall neu entfacht und bis zum Herbst soll alles implementiert sein. Erste Erfolge erwarte ich bis Ende des Jahres.

Besonders interessant fand ich bei dem Driving Ahead Gespräch, zu erfahren, welchen enormen Anteil die Reifen am Dieselverbrauch haben. Unsere Umstellung auf den FUELMAX von Goodyear war also genau die richtige Entscheidung.

Wir sehen, dass in diesem Thema noch sehr viel Potenzial steckt, um die Verbräuche weiter zu senken. Darauf wollen wir weiter den Fokus legen.

Fahrermangel
Der Fahrermangel ist bei uns nicht dramatisch aber in einer eher strukturschwachen Region wie der Vulkaneifel ist er schon spürbar. Wir arbeiten daher eng mit der Agentur für Arbeit zusammen und bilden selbst aus – bei garantierter Übernahme. Wir schalten auch etwas Werbung und bilden selbst die fünf Weiterbildungsmodule für Kraftfahrer ab. Damit schaffen wir es, unseren Bedarf zu decken.

Überdies haben wir damit begonnen, Fahrer aus Rumänien einzustellen. Einer unserer Mitarbeiter spricht Rumänisch und kann daher die Sprachbarriere überwinden.

Kundenwünsche
Kunden erwarten meiner Erfahrung nach immer mehr Service zum selben Preis. Die Ansprüche des Großhandels – also nicht die unserer direkten Auftraggeber – sind merklich gestiegen. Hierzu zählt beispielsweise, dass unsere Fahrer selbst abladen und die Ladung an ihren Bestimmungsort im Lager befördern müssen. In der Getränkebranche ist das unter anderem der Fall. Das ist so nicht, wie es sein sollte. Die Fahrer müssen Ruhezeiten einhalten und sollen sich auch wirklich erholen. Diese Zusatzdienstleistungen erbringen zu müssen sollte verboten werden. Dazu kommt auch noch, dass viele Kunden dann noch unfreundlich zum Fahrer sind, hier scheint es richtige Machtspielchen zu geben. Dem muss ein klarer gesetzlicher Riegel vorgeschoben werden.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass der Gesetzgeber diesen Missstand einmal erkennen und aktiv werden wird. Kontrollen an der Rampe wären nötig. Dann wird das zwangsläufig zu einem Bruch kommen: Der Kunde muss sich Gedanken darüber machen, wie er die Waren selbst vom Lkw ins Lager bekommt.

Das Problem mit Just-in-Time und dem „Lager auf der Straße“ ist bei uns weniger der Fall. Wir sind eher mit dem eklatanten Rampenproblem konfrontiert.

Regularien
Regularien haben auch meiner Ansicht nach zunehmende Auswirkungen und ich muss sagen: diese sind meist ausgesprochen negativ. Die Administrativaufgaben werden für uns immer mehr. Fahrerkarten helfen zwar beim Erfassen, aber die Dokumentationspflicht wird immer mühsamer. Und wenn dann doch ein Fahrer einmal etwas übersieht oder vergisst, dann wird es erst richtig kompliziert. Überhaupt bleibt sehr viel an den Fahrern hängen. Diese Entwicklung ist weder für die Wirtschaftlichkeit des Betriebs noch für die Attraktivität des Berufs des Lkw-Fahrers zuträglich.

Ich appelliere an die Politik, ganz konkret die Lenk- und Ruhezeiten variabler zu gestalten. Unsere Fahrer befinden sich immer wieder in neuen Extremsituationen und sind davon recht gebeutelt. Sei es im heißen Sommer oder zu bestimmten Tages- und Nachtzeiten. Die derzeitige Lage ist so nicht hinnehmbar, die Fahrer leiden darunter.

Einschätzung zur zukünftigen Bedeutung bahnbrechender Innovationen wie neuen Antriebstechnologien sowie dem autonomen Fahren
Ich denke, neue Technologien auf unterschiedlichen Feldern werden zukünftig sehr wichtig werden. Dabei denke ich vor allem an das autonome Fahren. Die größte Relevanz sehe ich derzeit bei Spur- Abstandsassistenten. Unfälle abzuwenden ist ein besonders wichtiger Aspekt hierbei. Innovation wie diesen stehe ich ausgesprochen aufgeschlossen gegenüber.

Es hat sich in den vergangenen zehn Jahren viel getan, der Lkw ist heutzutage viel besser handlebar.

Ich persönlich warte noch auf den Hybridantrieb. Von ihm verspreche ich mir enorme Einsparpotenziale beim Gewicht um die Tonnage zu erhöhen. Es geht darüber hinaus auch darum, den Verbrauch zu senken.

Die Einführung von Lang-Lkw ist zweifellos eine Pflichtübung! Ich kann wirklich nicht verstehen, dass sich die Regierung hierbei noch so zurückhält. Ich glaube, Lang-Lkw sind wirklich zukunftsträchtig und sollten unbedingt auf die Straße kommen. Wichtig ist nur, dass man mindestens 30 bis 32 Tonnen Nutzlast hat.

Erwartung der Geschäftslage 2015 / 2016
Meiner Wahrnehmung nach leiden wir hier regional nicht unter den großpolitischen Geschehnissen.

Fakt ist, dass das Speditions- bzw. Transportgewerbe schwierig und ein anstrengendes Gewerbe bleibt. Das allgemeine Ziel muss sein, die Margen schleunigst, deutlich und nachhaltig zu erhöhen.

Nächstes Interview

goodyear_lkw

goodyear_lkw

Hinterlassen Sie einen Kommentar